Bild nicht mehr verfügbar.

Betonkubus mit Guckloch - das Mahnmal steht.
Foto: AP/MICHAEL SOHN

Berlin - Das Mahnmal zum Gedenken an die vom NS-Regime verfolgten Homosexuellen ist am Dienstag in Berlin eingeweiht worden. "Mit der heutigen Übergabe erinnern wir an eine Opfergruppe, die in der öffentlichen Wahrnehmung lange Zeit wenig Beachtung fand", sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) bei der Feier am Rande des Berliner Tiergartens. Er räumte zugleich ein, dass das Mahnmal "sehr spät" errichtet worden sei. Es solle nicht nur an die Schrecken der Vergangenheit erinnern, sondern auch zum Ausdruck bringen, dass in Deutschland die Diskriminierung von Homosexuellen keinen Platz haben dürfe. Zu der Veranstaltung waren rund 500 Menschen gekommen, die Mehrzahl davon männlich.

Betonkubus mit Endlosvideo

Das vom Bundestag im Dezember 2003 beschlossene Mahnmal besteht aus einem Betonkubus, in dem ein Endlosvideo mit zwei küssenden Männern zu sehen ist. Das nach den Plänen der skandinavischen Künstler Ingar Dragset und Michael Elmgreen errichtete Projekt war als Sieger aus einem künstlerischen Wettbewerb hervorgegangen.

Streit um rein männliche Repräsentation

Die Errichtung des Denkmals stellte sich aufgrund zahlreicher Proteste als sehr langwierig heraus. Lesbische Interessengruppen kritisierten, dass das Denkmal einzig und allein für das Gedenken männlicher Homosexueller stehe. Die Zeitschrift EMMA rief zu einer Unterschriften-Aktion auf und bezeichnete das geplante Mahnmal als "Ghetto des Kitsches männlicher Homosexualität". Nach längeren Auseinandersetzungen einigte man sich darauf, dass das Video mit dem schwulen Pärchen nach zwei Jahren abgelöst wird durch einen Film, der ein lesbisches Paar zeigt.

Das Mahnmal steht nunmehr in unmittelbarer Nachbarschaft zum Holocaust-Mahnmal im Bezirk Mitte. Während des Nationalsozialismus waren über 50.000 homosexuelle Männer wegen ihrer Orientierung verurteilt worden, schätzungsweise bis zu 15.000 davon wurden in Konzentrationslagern inhaftiert. (APA/red)