Warschau - Eine ExpertInnengruppe der polnischen Regierung warnt eindringlich vor der demografischen Entwicklung im Land. Insbesondere befürchten die DemografInnen die Überalterung der Gesellschaft: Im Jahr 2030 werde es zwei Millionen über 80 Jahre alte Menschen in Polen geben, die dann mehr als fünf Prozent der Bevölkerung ausmachen würden. Außerdem entschieden sich weiterhin zu wenige Familien für Kinder, prognostiziert die ExpertInnengruppe einen Zusammenbruch der Sozialversicherungs-Systeme.

Zuwenig Ausgaben für Kinder 

Das Problem besteht aus ihrer Perspektive in der Familienpolitik. Für die Familienförderung werde zu wenig ausgegeben, nämlich nur 1,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. 26 Prozent der polnischen Kinder seien deshalb von Armut gefährdet, nur 42 Prozent gingen in den Kindergarten. Das sind nach Angaben der ExpertInnen die schlechtesten Werte im EU-weiten Vergleich.

"Das Kabinett wird hoffentlich in den kommenden Jahren eine Novelle des Arbeitsrechtes beschließen, die viele familienfreundliche Punkte enthält", erklärte Vize-Arbeitsministerin Agnieszka Chlon-Dominczak gegenüber der Zeitung "Dziennik" (Montag-Ausgabe). Zum Vorschlag des Arbeitsministeriums gehört eine Ausdehnung des Mutterschaftsurlaubes auf 26 Wochen beim ersten und 39 Wochen bei jedem folgenden Kind.

Ausbildung von Tagesmüttern 

Außerdem seien weitere Neuerungen vorgesehen, so Chlon-Dominczak. Analog dem französischen System sollen etwa Tagesmütter nach entsprechender Schulung Kinder bei sich zu Hause betreuen.

Die Opposition kritisiert, dass die Vorschläge zu spät kämen. Ende des Vorjahres habe ihre Partei schon ein Gesetzesprojekt ins Parlament eingebracht, das viele der Ideen enthalten habe, sagte Ex-Arbeitsministerin Joanna Kluzik-Rostkowska von der rechtskonservativen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS).

Der Geburtenrückgang ist kein polnisches Spezifikum. In den postkommunistischen EU-Staaten kamen 2006 auf eine Frau im gebärfähigen Alter im Schnitt 1,3 Kinder. Vor dem Fall des Kommunismus waren es durchschnittlich noch 2,1. (APA)