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Schöne Blüten und guter Duft!

Foto: APA/dpa/Horst Ossinger

Beginnen wir mit denjenigen, die weder Balkon noch Garten, aber dennoch einen Hang zu grünem Zeug aller Art haben: Sie werden sich im Sommer insbesondere nach Feierabend zum Beispiel an einer sehr einfach zu ziehenden Pflanze namens Wachs- oder Porzellanblume erfreuen.

Dieses fettgrünblättrige Ampelgewächs, das alles mag, nur nicht zu viel Wasser, entwickelt in den Sommermonaten Blüten, die nicht nur wie aus cremeweißem Porzellan geformte Sternchen ausschauen, sondern auch nächtens einen erstaunlich intensiven Duft ausströmen. Die lassen quasi ein Feierabendlüfterl wehen.

Und um genau dieses geht es in dieser Kolumne. Denn was hat man von des Gärtnerns Fron, wenn man urlaubslos und vielbeschäftigt stets erst nächtens heimkehrt? Na, zumindest der Duft der nachtaktiven Blütenpflanzen darf sodann genüsslich inhaliert werden - und von denen gibt es eine stattliche Auswahl.

Hochgiftige Blüten

Balkon- und Topfgärtner zum Beispiel versäumen viel, wenn sie ihren Feierabendspritzer nicht neben einer Datura süffeln. Die Blüten der Engelstrompeten oder Stechäpfel beginnen erst abends ihr Parfum zu verbreiten - und zwar im Umkreis vieler Meter. Aber Achtung: Diese teilweise imposant dimensionierten Geräte, die wochenlang weiß, rosa oder gelb blühen, sind allesamt hochgiftig und von Kleinkindern jedenfalls fernzuhalten.

Ebenfalls nicht zum Verzehr bestimmt, aber erst ab der Dämmerung olfaktorisch beeindruckend sind die verschiedenen Tabakpflanzen, vom kleinen Ziertabak bis zum an die zwei Meter hohen echten Tabak.

Dass die zartlila, weiß oder purpur blühenden Nachtviolen ihren Namen nicht zu Unrecht tragen, erklärt sich von selbst. Sie riechen veilchenartig und können sowohl in Rabatten als auch in Kübeln gezogen werden. Auch die Nachtkerze hält, was sie namentlich verspricht: Ihre gelben Blüten öffnen sich abends im Zeitraffertempo und duften leicht zitronenartig. Ähnlich angenehm riechen die meisten Phloxe - praktisch einfach zu ziehende Nachtgefährten, die ebenfalls auf dem kleinsten Balkon noch Platz haben dürften.

Duftqualitäten

Ein bisschen voluminöser sind da schon die Palmlilien, sie wachsen bis zu zweieinhalb Meter hoch und entwickeln meist erst nach ein paar Jahren Blütenkerzen, danken die Geduld dann aber mit exotisch-schwerem, süßem Nachtduft. Raschere kleinräumliche Superparfümierungen erreicht man mit Geißblättern, auch Jelängerjelieber genannt. Die bis zu vier Meter hohen Kletterer überranken zum Beispiel Pergolen und Klettergerüste blitzschnell. Aber informieren Sie sich auf jeden Fall über die Duftqualitäten der einzelnen Sorten! Empfehlenswert ist beispielsweise der weiß blühende "Graham Thomas", wiewohl erfahrungsgemäß die helleren Sorten die besseren Dufter sind und manch dunkelrote Sorten so gut wie gar nicht riechen.

Erstaunliche Duftqualitäten legt auch das Seifenkraut an den Tag - Pardon, an den Abend - es blüht helllila und beginnt ebenfalls erst nächtens zu duften. Seinen Namen verdankt es allerdings nicht dem Duft, sondern dem Saponoingehalt der Wurzeln (in diesem Fall Rhizome), die früher als Waschmittel verwendet wurden.

Zu guter Letzt zu den Turboduftern, die so manchem mitunter sogar zu aufdringlich werden können: Lilien. Schon ein kleiner Lilienstrauß kann ein ganzes Haus mit einem fast schwülstigen Duft befüllen. Aber in heißen Sommernächten mag man das ja mitunter eigentlich recht gern, oder? Zwei Möglichkeiten tun sich auf: entweder einen Strauß in die Vase stellen, oder eine Lilie im Topf ziehen und sich noch ein wenig länger nasenseits betäuben lassen. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/18/07/2008)