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Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin im Gespräch mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai.

Foto: APA/EPA/S. SABAWOON

Kabul - Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin ist am Samstag überraschend in Afghanistan eingetroffen. Morin landete am Morgen in der Hauptstadt Kabul und wollte zwei Tage im Land bleiben, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Der Minister wollte zunächst die französischen Truppen in Kabul sowie in der Provinz Kapisa nordöstlich der Hauptstadt besuchen. Für Sonntag ist ein Besuch des Begleitkommandos der Luftwaffe in der südlichen Provinz Kandahar geplant. Morin war bereits im September und im Dezember vorigen Jahres zu Kurzbesuchen in Afghanistan.

Frankreich hatte beim NATO-Gipfel im April in Bukarest angekündigt, die Afghanistan-Schutztruppe des Verteidigungsbündnisses um 700 zusätzliche Soldaten zu verstärken. Vor Morins Ankunft war bekanntgeworden, dass zwei französische Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Action contre la faim" (ACF) (Aktion gegen Hunger) entführt worden sind. Wie ACF in Paris mitteilte, wurden die beiden Männer aus dem Haus der Organisation in Nili in der Provinz Daykondi verschleppt. Demnach überwältigten die bewaffneten Entführer die Wachleute vor dem Gebäude, in dem die beiden Franzosen schliefen. Anschließend seien sie mit ihren Geiseln in mehreren Fahrzeugen geflohen.

Zerfall droht

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in den vergangenen Monaten kontinuierlich verschlechtert. Nach einem schweren Angriff von Taliban-Kämpfern auf einen US-amerikanischen Außenposten hatte die NATO-geführte internationale Schutztruppe ISAF vor wenigen Tagen ihren Stützpunkt in der ostafghanischen Provinz Kunar aufgelöst. Die ISAF war nach der US-geführten Militärintervention zum Sturz des islamistischen Taliban-Regimes Ende 2001 eingerichtet worden. Seit mehr als einem Jahr nehmen Angriffe der Taliban auf die ausländischen Truppen zu. Nach dem neuesten Bericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London droht Afghanistan der Zerfall, sollten die NATO-Truppen es nicht schaffen, die Taliban niederzuringen, die zum "Heiligen Krieg" gegen die Fremden im Land und gegen die Kabuler Regierung von Präsident Hamid Karzai aufgerufen haben. (APA)