Nach dem Schüssel-Sieg bei den Nationalratswahlen des Jahres 2002 war klar: Die ÖVP könnte auf die Haider-Partei verzichten und mit den Grünen eine Koalition eingehen. Als ich das noch am Wahlabend im Palais Auersperg bei der grünen Wahlparty Eva Glawischnig sagte, wich diese entsetzt zurück. So als würde ich ein unmoralisches Angebot machen.

Etwas später, in einer Journalistenrunde, erörterten wir, was sich bei den Koalitionsverhandlungen zwischen Schwarz und Grün zeigte: Es gab damals viele Übereinstimmungen. Dafür waren die Minister Strasser und Molterer, scharf dagegen die Minister Gehrer und Bartenstein. Wolfgang Schüssel zog dann angeblich die Reißleine, nachdem auch Alexander Van der Bellen erkannt hatte, dass vor allem seine Wiener Basis keine Lust hatte, eine kleine Koalition mitzutragen.

Schnell war sich Schüssel dann einig mit dem BZÖ. Schwarz-Orange war geboren, dem Wählerwillen wurde zweifellos entsprochen. Denn der ÖVP-Chef hatte schon in der Wahlkampagne zentrale FPÖ-Positionen weiter verfochten. Nach dem freiheitlichen Desaster von Knittelfeld gingen viele Wähler weg vom Schmiedl und gleich zum Schmied - zum Erfinder von Schwarz-Blau.

Da mich sowohl Grüne als auch Rote (darunter Josef Cap) für einen Verfechter von Schwarz-Grün hielten (und halten), entwickelte sich auf den Meinungsseiten unserer Zeitung eine veritable Debatte - vor allem in Richtung Ablehnung dieser Variante, die für mich primär eine Möglichkeit war, Schwarz-Blau loszuwerden und auf ein innovativeres Regierungsprogramm zu hoffen: in Energiefragen, in Bildungsfragen, in der Ausländerproblematik.

Heute sind gegenüber Schwarz-Grün große Warntafeln aufzustellen. Nicht so sehr deshalb, weil es einige nahezu unüberbrückbare Differenzen gibt. Beispiele: Überwachung, Homo-Ehe. Haupthindernis einer solchen Konstruktion ist die Schüssel-Molterer-Haltung zu Koalitionen überhaupt. Es fehlt der Wille, dem jeweils anderen Partner einen Erfolg zuzugestehen. Von Anfang an würde die Volkspartei - Abkommen hin, Abkommen her - versuchen, die Grünen unterzubuttern. Damit die Öffentlichkeit bereits nach einigen Monaten zu murren beginnt: Die Grünen bringen ja nichts durch. Umso mehr, als Van der Bellen ein Konsens-Typ ist. Er würde wie ein Regierungssprecher wirken.

Es gäbe nur ein Mittel gegen die Marginalisierung der Grünen: das Finanzressort für Van der Bellen. Da die ÖVP aber nicht den Gusenbauer-Fehler kopieren würde, ginge "nur" das Wirtschaftsressort an die Grünen. Und der schwarze Säckelwart würde die Geldflüsse in die grünen Ministerien entweder ausdünnen, ableiten oder einfärben.

Weil die Grünen also viel von ihrer Reputation verlieren könnten, müssten sie das Innenministerium verlangen und die Umwelt wieder von der Landwirtschaft trennen. Die Kombination mit Infrastruktur hätte mehr Sinn.

Also anders herum? Rot-Grün unter Faymann müsste von Hans Dichand genehmigt werden. Ansonsten gilt Ähnliches. Minen? Europa und Migration, z. B. (Gerfried Sperl/DER STANDARD Printausgabe, 21. Juli 2008)