Das wissenschaftlich vernachlässigte achte Sinnesorgan des Menschen ist das Telefonohr, welches im Gehirn sitzt und beim glücklicheren Teil der Menschheit unausgebildet blieb. Ich zähle leider nicht dazu, ich besitze es.

Wann immer wer telefoniert - und dank Handy telefoniert immer wer -, bricht automatisch jede meiner Funktionen ab, und mein Telefonohr zwingt mich zuzuhören. Ich erzähle Ihnen das deshalb, weil meine 180 Zentimeter nahe, vorbildlich recherchierende Schreibtischkollegin Verena seit ungefähr 37 Stunden telefonisch zu erfahren versucht, warum sich Zitronen so irre verteuert haben (in einem Jahr um 66 Prozent). 36 Stunden, in denen sich jene Experten, die es erklären könnten, gerade außer Haus oder im Urlaub befanden, war es mir egal. Seit einer Stunde will ich es wissen, seit wenigen Sekunden ist es heraußen.

Kollegin: "Guten Tag, hier spricht (...), könnten Sie (...), warum Zitronen so teuer geworden sind?" - "Aha! Engpässe! Große Nachfrage! Aha! Die Russen! Was machen die mit den Zitronen? Aha! Vielen Dank, Sie haben mir sehr geholfen!" Gesprächsende.

Ich werde die Kollegin sofort ausquetschen. Mein Tipp: Wodka-Lemon. (Daniel Glattauer/ DER STANDARD Printausgabe 21.7.2008)