"Wer das Gefühl hat, sein Essverhalten nicht mehr unter Kontrolle zu haben, sollte Hilfe suchen", empfiehlt Rahel Jahoda, Therapeutin von "intakt", einem Zentrum für Essstörungen in Wien.

Wieder erlernen der Wahrnehmungsfähigkeit

Worum es bei einer Therapie also geht? Um Aufarbeitung der individuellen, psychischen und sozialen Situation von Betroffenen, um aktuelle Belastungen in der Familie, Schule oder bei der Arbeit, um das (Wieder)-Erlernen der Wahrnehmungsfähigkeit und das Vertrauen in die eigenen Gefühle. Der wichtigste Baustein ist das Entwickeln eines positiven Selbstbildes.

Stationärer Aufenthalt in der Klinik

Oft lässt sich das nur in einem stationären Aufenthalt erreichen. "Zum einen kann der körperliche Zustand einer Patientin aufgrund von Untergewicht oder Kalium- und Natriumentgleisungen einen Klinikaufenthalt notwendig machen", sagt Peter Weiss, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien. Andererseits könne ein stationärer Aufenthalt helfen, den Kreislauf von Essen und Erbrechen zu unterbinden, wenn sich die Attacken ritualisiert haben, es also keine besonderen Umstände mehr braucht, um sie auszulösen, sagt Weiss.

All-inclusive

Ein Aufenthalt im Rahmen der Essstörungsbehandlung bei den Barmherzigen Schwestern dauert acht Wochen, in denen eine intensive Gruppenbetreuung stattfindet. Neben psychotherapeutischer Begleitung stehen kreative Ausdrucksmöglichkeiten sowie körperorientierte Methoden wie das Erlernen von Entspannung auf dem Programm. Auch Ernährungsberatung ist vorgesehen, wobei dem Essen aber insgesamt relativ wenig Aufmerksamkeit beigemessen wird.

Strategien gegen das Problem

Der Ansatz dahinter ist, dass Essen und Erbrechen Symptome sind, die verschwinden, wenn Strategien zur Bewältigung der dahinterliegenden Probleme gefunden werden. "Allerdings darf man nicht glauben, dass jemand in acht Wochen von einer Essstörung geheilt ist", sagt Weiss. Es sei ein Anfang, dem immer eine ambulante Betreuung folgen müsse.

Ambulantes Erstgespräch

Deshalb bietet das Spital eine teilstationäre Therapie an, bei der die Patienten am Abend und am Wochenende nach Hause gehen. Welche Behandlungsform für die jeweilige Person am besten geeignet ist, wird in einem ambulanten Erstgespräch entschieden. Freiwilligkeit und entsprechende Motivation seien aber in jedem Fall Voraussetzung, da sonst kein Erfolg möglich ist, sagt Weiss und kritisiert, dass "die Krankenkassen nur den stationären Aufenthalt bezahlen, aber bei ambulanten Therapien leider nur sehr eingeschränkt die Kosten übernehmen. (auk)