Rief Melissengeister, und ist nun einen TV-Job los: Bankhofer (rechts, mit Klosterfrau-Manager).

Foto: MCM Klosterfrau Healthcare GmbH

Hademar Bankhofer fühlt sich "keiner Schuld bewusst", sagte er dem STANDARD am Freitag. Und der Vorwurf "betrifft nur deutsche Sender". Der ORF ließ Freitag dennoch verlauten, er prüfe. Intern gilt die Causa Bankhofer dort aber als "nicht die große Affäre".

Die offizielle Stellungnahme auf Anfrage des STANDARD: "Der ORF wird die Gründe, die zur Entscheidung des WDR geführt haben, ganz genau daraufhin überprüfen, ob diese auch auf das Engagement von Prof. Hademar Bankhofer beim ORF umzulegen sind. Grundsätzlich wird natürlich darauf geachtet, dass allen rechtlichen - insbesondere werberechtlichen - Vorgaben zu 100 Prozent entsprochen wird. Bis dato gab es keinerlei Anhaltspunkte, dass es in Zusammenhang mit ORF-Auftritten von Prof. Bankhofer zu diesbezüglichen Verstößen oder Auffälligkeiten gekommen wäre."

Hat Bankhofer den ORF über seine Beraterverträge informiert wie jenen mit Klosterfrau Melissengeist, über den der Österreicher nun beim WDR stolperte? "Wir prüfen die Verträge, auch, ob er das offenlegen muss", sagt ein ORF-Sprecher. "Mich hat niemand gefragt", erklärt Bankhofer. Er betont, er sei im ORF ohnehin "nicht sehr beschäftigt". Das ist:

  • In "Sommerzeit" gibt er einmal pro Monat Gesundheitstipps. Für je 250 Euro, sagt er.
  • In Radio Wien hat er wöchentlich eine halbe Stunde. Gratis, erklärt er. Dort arbeitet sein Sohn.
  • Der "ORF Nachlese" liefert er eine Kolumne.
  • In TW1, dem kommerziellen Spartenkanal des ORF, läuft alle zwei Wochen "Die gesunde halbe Stunde".

"Das ist etwas anderes", erklärt Bankhofer. Sonst achte darauf, "keine Präparattipps" zu geben, er wisse, "dass man im Fernsehen aufpassen muss". Bei TW1 moderiere er nur bezahlte Beiträge. Der Produzent, Walter Holiczki, erklärte diese Sendung stern.de so: "Die Sendung trägt sich allein aus den Beiträgen der Sponsoren", also den Herstellern der präsentierten Produkte. Fragen würden Kunden vorab vorgelegt und auf Wunsch gestrichen.

Begonnen hatte die Affäre um Bankhofer in den Blogs "Stationäre Aufnahme" und "Boocompany". Sie dokumentierten, wie Bankhofer etwa "Klostermelisse" als Wirkstoff in Fernsehbeiträgen propagierte. Das ist eine eingetragene Marke der MCM Klosterfrau. Zunächst bestritt Bankhofer einen Werbevertrag. Das Unternehmen bestätigte einen Beratervertrag mit ihm. Der WDR beendete daraufhin Bankhofers Engagement im "Morgenmagazin" (der Standard berichtete).

Freitag habe ihn ein deutscher Medienanwalt kontaktiert, der seine Unterstützung vor Gericht und Presserat anbot, erklärte Bankhofer dem STANDARD. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.7.2008)