Schrems - Die Ereignisse rund um den angeschlagenen Waldviertler Strumpferzeuger Ergee mit 178 Mitarbeitern in Schrems, der fieberhaft nach einem Investor sucht, werfen immer mehr Fragen auf, stellen die NÖN (Niederösterreichische Nachrichten) in ihrer Montag-Ausgabe fest: Als mutmaßlicher neuer vorläufiger Eigentümer gelte die frisch gegründete Firma SAL-BAL, an die die deutsche Vatter GmbH die Waldviertler Tochter vor ihrem Konkurs verkauft haben dürfte.

Der bisherige Ergee-Eigentümer sei bereits zahlungsunfähig: Die Vatter GmbH stellte für die Fabrik im bayrischen Schongau am 18. Juli Insolvenzantrag und hatte kurz zuvor die Anteile der Ergee abgetreten - in welcher Form und an wen genau, wurde nicht bekannt gegeben.

Laut der Wochenzeitung berichteten nun Ergee-Mitarbeiter, dass ein Teil des Warenlagers in der vergangenen Woche neu registriert und mit SAL-BAL-Aufklebern markiert wurde. Das sei ein Indiz dafür, dass die Ware nicht mehr im Besitz der Ergee, sondern der SAL-BAL sei.

Die mutmaßlichen Eigentümer

Wie die NÖN eruierte, steckt dahinter die erst am 8. Juli gegründete und in Wien registrierte "SAL-BAL Beteiligungs- und Handels-GmbH". Eigentümer seien je zur Hälfte der Oberösterreicher Thomas Jozseffi, der bis Ende 2006 als Generaldirektor der Salinen Austria fungierte und jetzt als Unternehmensberater tätig ist, sowie die Seitz & Partner Bürovermietung OEG. Deren Gesellschafter seien an der Kanzlei Hasberger Seitz & Partner Rechtsanwälte GmbH beteiligt. Alle drei angeführten Gesellschaften firmieren an der gleichen Adresse, nämlich in der Wiener Gonzagagasse. In Summe zeige sich also eine Konstruktion, die in Expertenkreisen keinesfalls als alltäglich angesehen werde.

Keine Auswirkungen

Ergee-Geschäftsführer Klaus Müller betonte neuerlich, dass die Vatter-Insolvenz keine Auswirkungen auf Ergee haben sollte: "Vatter hat mit der Ergee nichts mehr zu tun." Sollte eines der derzeit laufenden Gespräche mit potenziellen Investoren erfolgreich verlaufen, könnte dieser die Anteile vom Treuhänder übernehmen, von dem das Unternehmen derzeit verwaltet wird.

Die NÖN warf in dem Bericht die Fragen auf, warum die Anwälte mit Jozseffi eine eigene Kapitalgesellschaft gründeten, wenn nur die Arbeit eines Treuhänders gefragt sei, und ob ein Verkauf von Ergee unmittelbar vor der absehbaren Vatter-Insolvenz überhaupt rechtens gewesen sei, zumal den Gläubigern Masse entzogen werden könnte. "Dazu kann und darf ich nichts sagen", erklärte Anwalt und SAL-BAl-Geschäftsführer Michael Hasberger. (APA)