Wien - Streitgespräche zwischen Alexander Van der Bellen und Heide Schmidt konnten eine recht kuschelige Angelegenheit sein. Jegliche Aggression verebbte in einer Atmosphäre aus Harmonie und Wohlwollen. Statt sich Gemeinheiten um die Ohren zu hauen, philosophierten die beiden lieber über ein anderes, anständigeres Österreich. Ein verständnisvolles „Ich geb dir Recht" prallte da auf ein mildes „Bin eh bei dir".

Nun, fast zehn Jahre nach dem letzten „Duell", stehen sich die Galionsfiguren von Grünen und Liberalen wieder gegenüber. Und obwohl sie sich persönlich wie politisch gut verstehen, sind sie bei den Nationalratswahlen Gegner. Schon mehrmals ging es zwischen den beiden Parteien ums nackte Überleben. 1995 überholten die schicken Blassblauen die verstaubten Grünen, die damals beinahe aus dem Parlament flogen. Vier Jahre später hatten sich die Kräfteverhältnisse umgedreht: Die Liberalen verpassten den Wiedereinzug in den Nationalrat - vor allem, weil sie ein Fünftel der Wähler an die Grünen verloren, die sich in der Zwischenzeit modernisiert hatten.

Große Schnittmenge

Nach wie vor „eine große Schnittmenge bei den Wählern" sieht Günther Ogris vom Meinungsforschungsinstitut Sora. Zwar habe das LIF mehr Potenzial in „gutbürgerlichen Kreisen", während die Grünen stärker am „linken Flügel" punkten könnten, doch in Summe gehe es um die gleiche Klientel: aufgeschlossene Stadtbewohner mit hoher Bildung und oft bürgerlichem Background, die sich, mit überdurchschnittlichem Einkommen ausgestattet, gerne auch ein soziales Gewissen leisten.

Dementsprechend zielsicher weist Lothar Lockl, Bundesparteisekretär der Grünen, gleich einmal darauf hin, dass die Liberalen in den letzten Jahren bei jener SPÖ angedockt hätten, die den harten Fremdengesetzen von Schwarz-Blau ihren Sanktus gegeben hat. Lockl spricht auch gar nicht vom LIF, sondern von der „Liste Haselsteiner" - ein zarter Hinweis an die (linken) grünen Wähler, dass mit Hans Peter Haselsteiner einer der größten Bauunternehmer Europas als Sponsor der Blassblauen auftritt. „Da stellt sich schon die Frage, ob es nicht Unvereinbarkeiten geben könnte", sagt Lockl.

Der Meinungsforscher Ogris sieht eine Chance der Liberalen darin, bei jungen Wählern zu reüssieren: „Bei dieser Gruppe haben die Grünen zuletzt Schwächen gezeigt." Allerdings habe Grünen-Chef Van der Bellen das Atout, bei der Wahlkampfdiskussion im Fernsehen im Gegensatz zu Schmidt in der „Elefantenrunde" der Parlamentsparteien antreten zu können. Ansonsten empfiehlt Ogris den Ökos als Gegenrezept, „einfach politischer zu werden. Die Grünen wirken oft wie ein Pressebüro für drei Themen."  (Gerald John/DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2008)