Washington - Der Ton im US-Wahlkampf wird deutlich ruppiger: Der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain attackierte seinen demokratischen Rivalen Barack Obama am Wochenende scharf, weil dieser sich bei seinem Deutschland-Besuch nicht mit US-Soldaten getroffen hat. Dies zeige die mangelnde Erfahrung Obamas, sagte McCains Sprecher Tucker Bounds dem TV-Sender Fox News. Der Senator aus Illinois ziehe einen "Haufen unterwürfiger Deutscher" einem Besuch bei verwundeten Truppen vor, sagte Bounds in Anspielung auf Obamas umjubelte Rede vor der Berliner Siegessäule.


Obama hatte einen für vergangenen Freitag geplanten Abstecher in das US-Militärkrankenhaus im deutschen Landstuhl kurzfristig abgesagt. Der Senator änderte seine Pläne, weil er den Besuch nicht zu einem Wahlkampftermin machen wollte. Auch das US-Verteidigungsministerium hatte Bedenken angemeldet. In Afghanistan und im Irak hatte Obama sich zuvor mit Truppen getroffen, war dort allerdings Teil einer offiziellen Kongressdelegation.


In London, der letzten Station seiner Europa-Reise, bedankte sich Obama am Samstag bei den Briten für ihre Unterstützung im Irak- und Afghanistankrieg. "Ich habe erneut unsere Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht für die zuverlässige Hilfe Großbritanniens in Fragen wie Afghanistan", sagte Obama nach einem mehrstündigen Treffen mit Premierminister Gordon Brown. Die britischen Soldaten hätten in den Kriegen im Irak und in Afghanistan einen „schweren Tribut" gezahlt. Wie zuvor schon in seiner Rede in Berlin verwies Obama auf die engen Beziehungen zwischen beiden Ländern.


„Wir sind zusammen durch zwei Weltkriege gegangen, wir sprechen die gleiche Sprache, wir glauben beide an den Rechtsstaat und an die Ehrfurcht vor dem Gesetz", sagte der Senator nach der Unterredung mit Brown, bei der es vor allem um die Lage im Irak und in Afghanistan ging.
„Ich bin überzeugt, dass viele der Probleme, vor denen wir zu Hause stehen, nur mit starken Partnern im Ausland effektiv gelöst werden können", sagte Obama. Daher sei seine Europa-Reise wichtig, auch wenn sie ihm bei den US-Wählern vermutlich keinen unmittelbaren Vorteil bringe. „Die Menschen sorgen sich um die Benzinpreise und aufgrund der Immobilienkrise."


Ein großer öffentlicher Auftritt Obamas war in London nicht geplant, er zeigte sich nur am Eingang zur Downing Street 10 mit Brown den Fotografen. Zuvor hatte er sich mit Browns Amtsvorgänger und UN-Nahostbeauftragten Tony Blair getroffen. (red/ DER STANDARD Printausgabe, 28.7.2008)