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Wien - Die Freunde der Deutschen Bahn im ÖBB-Aufsichtsrat haben sich am Dienstag durchgesetzt. Die ÖBB-Gütertochter Rail Cargo Austria (RCA) und Railion, Europas größte Güterbahn im Besitz der Deutschen Bahn, beginnen Verhandlungen über die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft, um ausgewählte Verkehre gemeinsam mit Lokomotiven und Lokführern zu bewirtschaften, wie der Standard exklusiv berichtete.

Dem Verhandlungsauftrag war eine Debatte vorausgegangen, in der sich die Befürworter der bereits im Frühjahr 2006 von Ex-ÖBB-Chef Martin Huber, Noch-Finanzvorstand Erich Söllinger und Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn in einem Memorandum of Understanding (MoU) vereinbarten Partnerschaft durchgesetzt haben. Dem Vernehmen nach ist diese aber nicht so groß angelegt, wie im MoU und von RCA-Vorstand Friedrich Macher konzipiert. RCAmüsse mit Railion neu verhandeln, hieß es nach der Sitzung.

Geeinigt haben sich die ÖBB-Räte auch auf einige Personalia. ÖBB-Controller Christian Eder als Nachfolger für den vorzeitig abgelösten Postbus-Geschäftsführer Michael Gassauer nickte der Holding-Aufsichtsrat zustimmend ab. Nicht zum Zug kommt als Eders rotes Pendant Post-Manager Thomas Auböck, denn Postbus-Geschäftsführer Andreas Fuchs bleibt im Volant der gelb-roten Busflotte und steigt doch nicht in die ÖBB-Holding auf. Goutiert wird von der Holding auch, dass ÖBB-Nahverkehrschef Werner Kovarik für Produktion in den ÖBB-Personenverkehr-Vorstand einziehen wird. Auf 23. September vertagt wurde die Bestellung des Nachfolgers von Noch-Finanzchef Erich Söllinger.

Auf großes Interesse stießen in der siebenstündigen Sitzung die aufgrund der US-Finanzkrise notwendigen Absicherungen für elf zwischen 1995 und 2002 abgeschlossene Cross-Border-Leasing-Deals (CBL). Sie betragen laut Standard-Informationen aus dem Aufsichtsrat nicht nur 20 Mio. Euro, wie von der ÖBB-Führung betont, sondern auf insgesamt 130 bis 170 Millionen US-Dollar, also 82,8 bis 108,3 Mio. Euro.

Wirtschaftsprüfer Deloitte, der im März die (Buchverluste produzierenden) Derivatgeschäfte mit der Deutschen Bank (Collaterized Debt Obligations, CDOs, über 612,9 Mio. Euro) analysierte, empfiehlt übrigens nicht nur den Ausstieg aus den CDOs, sondern stellte auch klar, dass auch die den CDOs zugrundeliegenden Cross-Border-Leasing-Verträgen (CBL) hochriskant sind und die ÖBB aus diesen elf (zwischen 1995 und 2002 abgeschlossenen) Verträgen bei gutem Wind raus sollten.

Denn, so schreibt Deloitte: Das CBL-Portfolio sei so "komplex, hochdifferenziert und mit hohem administrativem Aufwand" verbunden, dass der "Ausfall des einzigen im Detail befassten Mitarbeiters zum Schlagendwerden wesentlicher Risiken aus nicht vertragskonformer Abwicklung (Zahlungstermine, Mitteilungen an Investoren etc.)" führen könne. Außerdem entstehen durch das Hin- und Zurückleasen von Loks, Reise- und Güterzugwagen sowie Verschiebebahnhöfen (Kledering, Villach-Süd) zwischen ÖBB und diversen US-Banken "zu suboptimalen Produktionsbedingungen".(Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2008)