Wien - Mit starken Statements aus der jungen Choreografie wartet die erweiterte Nachwuchsplattform [8:tension] bei ImPulsTanz auf. Der Konzeptkünstler, Autor und Choreograf Ibrahim Quraishi nahm sich mit seiner Installation "Islamic Violins" in der Kunsthalle Wien eines heiklen Themas an. In einer exakten Zeitstruktur sprengte er weiß lackierte Geigen vor mit Schall- und Augenschutz ausgestattetem Publikum. Zusätzliche Dimension: "Islamic Violins" war in die Rauminstallation "I hear voices" integriert, die Quraishis Stimme verstärkte - eine Stimme gegen Gewalt und Terror, Krieg und Fundamentalismus.

Aus der Türkei kommt Ayse Orhan, die in "Can you repeat?" nach den Möglichkeiten fragt, wie etwas, das vor unseren Augen abläuft, gelesen werden kann. Etwa eine sich wiederholende Bewegungssequenz. In dieser Wiederholung ist die Tänzerin mit einem zusätzlichen Objekt ausgestattet, das verdeutlicht, was eingangs nur angedeutet wurde. Ein klares, durchdachtes Stück zu der Frage nach dem Verstehen im Tanz.

Mit einem Textfaden unterstreicht der aus Pula stammende Choreograf Matija Ferlin seine körperliche Präsenz in dem Solo "Sad Sam (revisited)". Der ruhige Lauf unruhiger Worte, die auf die Bühnenrückwand projiziert sind, geht mit der coolen Performance eines irritierenden Körpers einher. Ferlin bringt ein Stück Jugendkultur in den zeitgenössischen Tanz ein. Zu vier Songs wie Burt Bacharachs I Just Don't Know What To Do With Myself und Walk On By singt Ferlin mit, bleibt aber ungerührt, mit ironischem Lächeln in seiner musikalischen Gefühlsmaschine stehen.

Quraishi, Orhan und Ferlin finden distanzierte, aber gut lesbare Formen für emotionalisierende Themen: religiös motivierte Gewalt, die Unmöglichkeit des Verstehens und das Flickwerk der Integration des Einzelnen in die Gesellschaft. Den drei Künstlern ist sichtlich bewusst, mit welchem Medium sie arbeiten, was sie repräsentieren und in welchem künstlerischen Kontext sie sich bewegen.

Die Auflösung des nationalistischen Kunstverständnisses in der Mobilität und Gemischtheit der lokalen Tanz-Szenen trägt vor allem in der jungen Künstlergeneration immer bessere Früchte. Das ist auch bei den exzellenten Repräsentantinnen der österreichischen Choreografie zu sehen, die derzeit bei [8:tension] auftreten: Doris Uhlich mit "Spitze" (am 30. 7. im Schauspielhaus) und Amanda Piña / Daniel Zimmermann mit "We" (31. 7. und 2. 8. im Kasino am Schwarzenbergplatz). (Helmut Ploebst/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 7. 2008)