Salzburg - Beide, der junge und der reife Meister, spielen ja auch fleißig auf der Tastatur des Music-Business. Es muss also ein besonderer Magnetismus existieren, der beide doch noch zusammenführt. Man traf sich in der Vergangenheit für Tage, der junge Alleskönner der Technik pilgerte zum älteren, den er Mentor nennt, zwecks Vorspielen und Vertiefung stilistischer Kenntnisse.

Man hat im großen Festspielhaus fast das Gefühl, einer dieser Wohnzimmerbegegnungen beizuwohnen, wenn beide gleichsam privates Musizieren nun öffentlich machen. Vierhändig erwecken sie Ravels "Ma mere l'oye" dezent wie uneitel zu einer wunderbar bilderreichen Klangerzählung mit kecken Ausbrüchen ins Verspielte.

Natürlich geht auch hier Lang Lang jede Note gestenreich gleichsam durch den ganzen Körper. Und natürlich ist Barenboim rein äußerlich der ruhige Widerpart, auch bei Liszts "Reminiscences de Don Juan". Musikalisch jedoch ergibt sich aus den Einzeltemperamenten eine reizvolle ästhetische Quersumme, in der sich Rasanz und Poesie die Waage halten.

Für die Ernsthaftigkeit des Duo-Unternehmens ist jedoch die Bartok-Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug Sz 110 das markanteste Beispiel. Mit dem Rücken zum Publikum bringt man das anspruchsvolle Werk zusammen mit den Schlagwerkern Torsten Schönfeld und Dominic Oelze als raffinierten Dialog zwischen Klanglichkeit und perkussivem Kommentar. Man möchte hier das Raffinement einer Salzburger Konzertdramaturgie erkennen. Es gelang, durch Prominenz zu locken, um dann einem vollen Haus Sperriges zu servieren. (tos/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 7. 2008)