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Die Grüne Bundesgeschäftsführerin Michael Sburny (L.) und Beate Potzmader von der Wahlkampfleitung im Grünnen Wahlkampfbüro.

Wien - Das Thema Teuerung treibt viele Frauen zu den ProtestwählerInnen. Bei der kommenden Wahl am 28. September sei vor allem bei den weiblichen Wahlberechtigten mit einem höheren Anteil an "verärgerten Wählern" zu rechnen, sagt Politikwissenschafter Fritz Plasser im Standard-Gespräch. Bei den Frauen zeichne sich schon jetzt eine "stärkere Proteststimmung ab als bei der Wahl 2006".

Generell gebe es "Frühindikatoren", die anzeigten, dass diesmal das Protestpotenzial an sich "deutlich über 35 Prozent" der Wahlberechtigten liegen werde, so Plasser.

2006 dominierten die Männer bei den ProtestwählerInnen. War damals die schwarz-blaue Pensionsreform vorrangiges Protestmotiv, so ist nun "das Pendant dazu die Teuerung", erklärt Plasser. Frauen seien mit ihren Konsequenzen "in der Realität öfter konfrontiert".

Martkforscher Werner Beutelmeyer vom market-Institut bestätigt, dass "von der Tendenz her Frauen die Teuerung mehr spüren als Männer". Mitte Juli erklärten 55 Prozent der Frauen auf die Frage "Wie komme ich mit dem Geld aus?", das sei für sie ein Problem, bei Männern sind es 49 Prozent.

Laut Plasser kommt zu den Protestkandidatinnen noch die "sehr, sehr große Gruppe von Pensionistinnen dazu, die wirklich überlegen müssen, ob sie fünf Euro ausgeben oder nicht. Das Gefühl, auf der Strecke geblieben zu sein, hat da zugenommen". Das Thema sozialer Ausgleich werde die Agenda des Wahlkampfs bestimmen.

Politische Heimat könnten die verärgerten Wählerinnen nicht so sehr bei den klassischen rechten Protestparteien finden. Von "sachorientiertem" Protest könnten Grüne, Liberale und Fritz Dinkhauser profitieren. (red, DER STANDARD, Print, 5.8.2008)