Die ehemaligen Grundig-Manager, denen die Staatsanwaltschaft Wien betrügerische Krida vorwirft, sind "empört" über die Anklageerhebung. Das gab ihr Verteidiger Manfred Ainedter am Freitagnachmittag bekannt. Der von der Anklagebehörde angenommene Tatbestand sei weder in subjektiver noch in objektiver Hinsicht erfüllt. "Eine vorsätzliche Vermögensverschiebung zulasten der Gläubiger hat mit Sicherheit nicht stattgefunden", betonte der Anwalt.

Anklageschrift nur zwölf Seiten

Die Staatsanwaltschaft wirft in ihrer mit zwölf Seiten ungewöhnlich dürren Anklageschrift den früheren Vorständen der deutschen Mutterfirma des österreichischen Werks, Hans-Peter Kohlhammer (61), Werner Saalfrank (53) und Günther Moissl (65), sowie dem Aufsichtsratsvorsitzenden und Grundig-Eigentümer Anton Kathrein (57) vor, als faktische Geschäftsführer der Grundig Austria GmbH das Vermögen der Gesellschaft verringert und dadurch die Befriedigung deren Gläubiger "vereitelt oder geschmälert" zu haben.

Unbesicherte Warenlieferungen

Konkret sollen sie nach dem 26. Februar 2003 unbesicherte Lieferungen von Waren im Wert von 34,93 Mio. Euro und Leistungserbringungen von 3,65 Mio. Euro von der Grundig Austria GmbH an Unternehmen des Grundig-Konzerns veranlasst haben, obwohl ihnen zu diesem Zeitpunkt die Zahlungsunfähigkeit der deutschen Konzernmutter bekannt war. Weiters werden die Angeklagten beschuldigt, am 22. Februar 2003 im Rahmen der sogenannten Grundig I-Spaltung Eigenkapital von 42,9 Mio. Euro in die neu gegründete ASCR Vermögensverwaltungs GmbH gesteckt und diese Gesellschaft auf die Grundig AG "verschmelzend umgewandelt" zu haben. Noch am selben Tag sollen sie im Rahmen der Grundig II-Spaltung weitere 17,4 Mio. Euro von Wien nach Deutschland transferiert haben.

"Vorwürfe nicht nachvollziehbar"

Für den Verteidiger der Angeklagten sind diese Vorwürfe gleichermaßen nicht nachvollziehbar wie unhaltbar, weshalb er einen Einspruch gegen die Anklageschrift erwägt. Dies würde das weitere Verfahren und den Strafprozess, bei dem bei Schuldsprüchen bis zu zehn Jahre Haft möglich sind, um Monate verzögern. "Die Angeklagten haben in Wahrheit bis zum Umfallen gekämpft, um Grundig zu retten! Sie haben sich dabei der besten Berater in Österreich und Deutschland bedient und denen vertraut", stellte Ainedter fest.

Einstellung des Strafverfahrens beantragt

Die nunmehrige Anklageerhebung ist für die früheren Grundig-Manager insofern überraschend gekommen, als ihr Rechtsbeistand kurz zuvor die Einstellung des Strafverfahrens wegen zu langer Verfahrensdauer beantragt hatte. Diese Vorgehensweise ist seit der jüngsten Reform der Strafprozessordnung (StPO) rechtlich verankert. Ehe das Straflandesgericht Wien darüber entscheiden konnte, brachte die Staatsanwaltschaft ihre Anklageschrift ein.

"Nix dran"

In dieser werde "nicht einmal annähernd" eine den Angeklagten zurechenbare Schadenssumme genannt, moniert Verteidiger Manfred Ainedter. Anton Kathrein, Hans-Peter Kohlhammer, Werner Saalfrank und Günther Moissl werde "kein konkretes Fehlverhalten zugeordnet". Die Schlussfolgerung des Anwalts: "An dieser Sache ist strafrechtlich nix dran."

Kritik an Einvernahme

Die Justiz hatte seit Juni 2003 gegen die Grundig-Verantwortlichen ermittelt. Nach Darstellung ihres Rechtsvertreters sollen diese von der zuständigen Staatsanwältin "nur kurz und oberflächlich" einvernommen worden sein. Im Wesentlichen sei das Vorverfahren über schriftliche Eingaben und die Feststellungen der Gutachter Gerhard Altenberger und Rudolf Siart gelaufen.

Neben der strafrechtlichen Komponente läuft in dieser Sache auch eine zivilrechtliche Auseinandersetzung zwischen der Grundig Austria GmbH und den vier Ex-Managern um mögliche Schadenersatzansprüche. Dieses Verfahren wurde bis zur Klärung der strafrechtlichen Vorwürfe unterbrochen. In Bezug auf die bisherigen Verfahrensergebnisse hat das Gericht schriftlich festgehalten, hinsichtlich Kohlhammer und Moissl hätte sich vorerst "kein zurechenbarer Haftungstatbestand gefunden" gezeigt. Was Kathrein und Saalfrank angeht, wird im Hinblick auf die in Anspruch genommene "massive Beratung" festgestellt, es wäre "derzeit noch kein zivilrechtlich pflichtwidriges Verhalten" offenkundig. (APA)