Wien - "Den Unbestechlichen" nennen sie Roland Kassar. Respekt genießt der 57-jährige Wiener Personaldirektor, der auch als Leiter des Kontrollamtes im Gespräch war, aber nicht nur aufgrund seiner Position, sondern auch wegen seines Werdegangs. Er kam als Lehrling in den Magistrat und arbeitete sich über den zweiten Bildungsweg bis zum Doktor iur. empor.

Georg Heinreichsberger, Klubdirektor der FPÖ, lobt Kassars Einsatz für die Mitarbeiter im blauen Klub, "als es der FPÖ durch die BZÖ-Abspaltung schlecht ging".

Die Unabhängigen Gewerkschafter vergleichen ihn dagegen mit einem "Nadelöhr, durch das nur ihm genehme Reformen schlüpfen". Er verändere fertig ausgehandelte Arbeitszeitmodelle, kritisieren die Gewerkschafter.

Tatsächlich ist Kassars Wunsch, "weniger Experten und mehr Manager" im Magistrat zu haben, wie er einmal sagte. Um die Mitarbeiter darauf vorzubereiten, startete die Stadt Wien ein Projekt, bei dem Magistratsmitarbeiter auf ein sechsmonatiges Praktikum in Privatfirmen geschickt wurden. Fünf Jahre später wurde Bilanz gezogen. Der Beweis sei erbracht worden, dass sich Beamte mit Managern in der Privatwirtschaft messen könnten, sagte Kassar damals. Aus der Privatwirtschaft hat Kassar auch das Prinzip der Job-Rotation übernommen. Dabei durchlaufen Trainees drei Dienststellen, bevor sie eine theoretische Ausbildung bekommen.

Und worauf Kassar selbst setzt? "Auf persönliche und fachliche Netzwerke", sagte er in einem Interview. So gelang dem Lehrling wohl auch der Weg nach oben - bis zu einem Jahres-Bruttogehalt von 145.000 Euro. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD - Printausgabe, 22. August 2008)