Wien - Die Europäische Organisation für Kernforschung CERN bei Genf ist eine Großforschungseinrichtung im Bereich der physikalischen Grundlagenforschung. Bekannt ist das Forschungszentrum vor allem für ihre großen Teilchenbeschleuniger, mit deren Hilfe der Aufbau der Materie erforscht wird. Die Abkürzung CERN geht auf den ursprünglichen Namen Centre Europeen pour la Recherche Nucleaire zurück.

CERN wurde 1954 von zwölf Ländern gegründet. Frankreich, Italien und Deutschland waren die treibenden Kräfte des internationalen Projekts, das eine Antwort auf die spektakulären Erfolge der US-Atomforschung während des Zweiten Weltkriegs war. Heute hat das Zentrum 20 Mitgliedstaaten, Österreich ist seit 1959 mit dabei - und steigt mit Ende 2010 wieder aus. Österreich trägt während seiner Mitgliedschaft rund zwei Prozent des Jahresbudgets am CERN, das waren 2007 etwa 14 Mio. Euro aus Österreich.

Die Größe der Beschleuniger, und damit ihre Energie, mit der winzigste Teilchen zur Kollision gebracht werden, wuchs ständig. Je höher die Energie beim Zusammenstoß ist, desto exotischer sind die Teilchen, die dabei entstehen. Nachgewiesen werden sie mit zum Teil gigantischen Teilchendetektoren. Zum Teil werden die alten Beschleuniger noch heute als Vorbeschleuniger verwendet.

Von 1989 bis 2000 war der Large Electron-Positron-Collider (LEP) in Betrieb. Für diesen ringförmigen Beschleuniger wurde ein unterirdischer Tunnel mit einer Länge von 27 Kilometern gebaut, der auch auf französisches Gebiet reicht. Diese Röhre wurde auch für das Nachfolgemodell, den Large Hadron Collider (LHC), verwendet, der in Kürze in Betrieb geht und Teilchen mit bisher unerreichter Energie zur Kollision bringen soll.

Entdeckungen und Nobelpreise

Die Liste der wissenschaftlichen Entdeckungen am CERN füllt viele Bücher, einige davon wurden auch mit Nobelpreisen belohnt: Unter anderen erhielten 1984 Carlo Rubbia und Simon van der Meer die Auszeichnung für den Nachweis der sogenannten W- und Z-Teilchen. 1992 wurde Georges Charpak für die Entwicklung einer neuen Detektorentechnik (Vieldraht-Proportionalkammer) mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Die bekannteste Erfindung, die aus dem CERN hervorgegangen ist, ist wohl das World Wide Web (WWW). Der britische Wissenschafter Tim Berners-Lee entwickelte Ende 1990 das WWW, ursprünglich um Physiker in aller Welt mit den Daten aus den Beschleuniger-Experimenten versorgen zu können.

Am CERN sind mehr als 2.500 ständige Mitarbeiter sowie rund 6.500 Gastwissenschafter aus aller Welt beschäftigt. (APA/red)