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Eine Nummer zu groß sind die Tourismuskapazitäten Italiens nicht nur in Rimini.

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Mailand - Die Finanzkrise, der starke Euro sowie Strukturschwächen drücken auf Italiens Deviseneinnahmen. Der Rückgang der Nächtigungen fällt heuer stärker aus als in anderen Mittelmeerstaaten.

Italien ist bereits im Vorjahr auf die fünfte Stelle im Welttourismus (nach Frankreich, Spanien, USA und der VR China) abgerutscht und droht weiter degradiert zu werden. Denn nur 41,5 Millionen Ausländer werden heuer Italien besuchen.

Laut Schätzungen des Hotelverbandes Federalberghi wird die ausländische Touristenzahl im laufenden Jahr sowohl unter dem Vorjahr (42,8 Mio.) als auch des Jahres 2006 liegen, als 41,8 Mio. Gäste die Apenninenhalbinsel besuchten. Bei den Nächtigungen fällt der Rückgang ebenso drastisch aus: Geschätzte 104,5 Mio. Nächtigungen gegenüber 107 Mio. im Vorjahr werden heuer erwartet.

Zwar haben zahlreiche Mittelmeerländer Rückgänge verbucht, das Minus fiel in Italien aber stärker aus als sonst wo. Gabriele Burgio, Chef der NH Hotelkette (Jolly Hotels): "Von 22 Ländern, in denen wir mit 344 Hotels präsent sind, hat Italien in dieser Saison am schlechtesten abgeschnitten. Vor allem die Kulturstädte wie Florenz und Venedig sind von der Krise betroffen."

Finanzkrise

Die internationale Finanzkrise und der "Supereuro" gelten als gewichtige Gründe für die Rückgänge im Tourismus. Und diejenigen, die noch ins Land reisten, gaben wesentlich weniger aus als in den Vorjahren. Fachexperten erwarten, dass die Ausgaben der US-Touristen in Italien 2008 um gut ein Drittel schrumpfen. Die neuen Reichen, die Gäste aus Russland und China, konnten den Ausfall nur zum Teil wettmachen.

Zu den Schwachpunkten der Fremdenverkehrswirtschaft zählen neben den relativ hohen Preisen auch veraltete Hotels, leistungsschwache Infrastrukturen und das angekratzte Image (Stichwort Müllkrise).

Die Zahl der deutschen und österreichischen Gäste ist ebenfalls rückläufig. Vor allem die Mittelklasse, jene Gäste, die in Drei- und Vier-Sterne-Hotels übernachten, blieben im heurigen Sommer weitgehend aus, klagt ein Hotelier in der Adria-Stadt Grado.

Insgesamt erwirtschaftet der italienische Fremdenverkehr jährlich 140 Mrd. Euro, wovon ein Viertel auf das Hotelgewerbe entfällt. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2008)