Wien - Ernsthaftes Interesse oder doch nur Kurspflege, um Fantasie in den lahmenden Aktienkurs der Telekom Austria (TA) zu bringen? Ein Kursfeuerwerk löste der Kurier-Bericht über Fusionspläne von TA und dem rasch wachsenden ägyptischen Telekom-Riesen Orascom am Dienstag nicht aus. Eher schon Kopfschütteln. Vor allem die ungelöste Frage des überhöhten Personalstandes werde in absehbarer Zeit keine Partnerschaft zulassen. Und zudem hänge alles von der nächsten Regierungskonstellation ab - ohne Privatisierungsauftrag sind dem staatlichen Hauptaktionär ÖIAG die Hände gebunden, so der Tenor in der Branche.

Das kann sich natürlich alles ändern. Bereits zweimal verhandelte die Staatsholding über eine Partnerschaft - einmal mit Swisscom, dann mit der griechischen Hellenic Telecom (OTE). In beiden Fällen scheiterten die Verhandlungen letztlich. Allerdings gilt seither eine Verschränkung mit einem anderen Telekom-Konzern als nicht unwahrscheinlich. Weshalb es auch immer wieder Anfragen gab, wobei des öfteren Vodafone und Telefonica genannt wurden.

Aus dem Büro von Eigentümervertreter Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) hieß es denn auch, man werde sich alle Anfragen der Telekom Austria anschauen und prüfen. Deutlich anders nuanciert das Statement von Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter (SPÖ). Derzeit gebe es "keinen Handlungsbedarf". Aus Betriebsratskreisen hieß es, dass an den Übernahmespekulationen ohnehin "nichts dran" sei. Die Telekom-Führung selbst gab keinen Kommentar ab.

Mit Orascom würde die Nummer vier in der arabischen Welt Partner der Telekom. Das Unternehmen gehört zur börsenotierten Orascom Group im Mehrheitsbesitz von Gründer Naguib Sawiris. In Europa sind die Ägypter als Kernaktionär an dem italienischen Mobilfunker Wind und der griechischen TIM Hellas beteiligt. Auch der französische Anbieter Bouygues soll sich im Visier Sawiris befinden.

Der Manager scheut aber auch nicht vor schwierigen Märkten zurück, so wird er das erste Mobilfunknetz in Nordkorea betreiben. Orascom sieht sich als "führendes Mobilfunkunternehmen" und als "langfristig, strategisch ausgerichteter Marktteilnehmer", so Sawiris, nachdem Ende des Vorjahres Gerüchte auftauchten, er wollte sein Imperium verkaufen. (ung, red, DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2008)