Christian Rainer ist Herausgeber und Chefredakteur von "profil".

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Der Tag von Christian Rainer, Herausgeber und Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "profil", beginnt um vier Uhr früh und endet um ein Uhr nachts. Dazwischen arbeitet der 46-Jährige "unablässlich", meint er im Mail-Karriere-Telegramm von derStandard.at. Sein bis dato größter beruflicher Erfolg ist, den "Tabubruch" der blauen Regierungsbeteiligung über Jahre abgelehnt zu haben und trotzdem noch im Chefsessel zu sitzen, so Rainer. Und der größte Flop? "Bis heute warte ich darauf, dass Radio Vatikan mich interviewt."

derStandard.at: Wie sieht der "typische" Arbeitstag von Christian Rainer aus?

Rainer: Der Tag beginnt mit dem E-mail-Check am Blackberry um etwa vier Uhr früh (jederzeit überprüfbar), und er endet ebenso gegen ein Uhr morgens. Dazwischen wird selbstverständlich unablässlich gearbeitet, auch während des Essens und am Ergometer im Holmes-Place (deshalb kein Laufband).

derStandard.at: Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

Rainer: 24 Stunden mal sieben Tage macht ...

derStandard.at: Wie entspannen Sie sich vom beruflichen Stress?

Rainer: Ich habe keinen Stress. Aber weil es Spaß macht, gehe ich klettern (Blackberry funktioniert inzwischen auch auf der Spitze des Mount Everest) und versuche, viel Zeit mit meinen Zwillingstöchtern zu verbringen (fünf Tage Disney Paris in diesem Sommer, ich kenne mich in der Maus-Welt jetzt wirklich aus).

derStandard.at: Welches Rezept haben Sie, um Berufliches und Privates unter einen Hut zu bringen?

Rainer: Beruf und Privatleben sollte man von vornherein nicht trennen, dann stellt sich die Frage erst gar nicht.

derStandard.at: Welche Rolle spielen für Sie berufliche Netzwerke beim Erklimmen der Karriereleiter?

Rainer: Wer Netzwerke spannt, um Karriere zu machen, muss scheitern. Die Netzwerke umwuchsen mich erst, als ich längst "profil"-Chef war.

derStandard.at: Was war Ihr bis jetzt größter Karriereerfolg bzw. Karriereflop?

Rainer: Den Tabubruch der blauen Regierungsbeteiligung mit glasklarer Linie über Jahre abzulehnen und das überdies als Herausgeber zu überleben, das war zweifellos ein Erfolg. Flop? Bis heute warte ich darauf, dass Radio Vatikan mich interviewt.

derStandard.at: Wie lautet Ihre berufliche Devise?

Rainer: Von der journalistischen Unabhängigkeit keinen Millimeter abweichen. Journalismus ist ein Glaubensbekenntnis und kein Beruf.

derStandard.at: Wenn Ihnen ein Wunsch von Seiten der Politik erfüllt werden würde, welcher wäre das?

Rainer: Man möge diese Unabhängigkeit als einen Grundwert des Staates ehren.

derStandard.at: Sollten alle Gehälter in Österreich transparent gemacht werden?

Rainer: Ich jedenfalls habe meinen Gehaltszettel der "profil"-Redaktion vor wenigen Wochen offen gelegt.

derStandard.at: Welchen Traumberuf hatten Sie in der "Sandkiste"? Was wollten Sie als Kind werden?

Rainer: Nicht Bundeskanzler, sondern Zoologe. (Bin ich ja irgendwie auch geworden.)

derStandard.at: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Rainer: Weiterhin mit geradem Rückgrat auf zwei Beinen. (derStandard.at, 29.9.2008)