Neolandeshauptmann Günther Platter blickt finster. Das sonntägliche Wahlergebnis beschert der ÖVP weitere Verluste. Besonders in der Heimat der beliebten Exlandesrätin Anna Hosp ging das Wahlvolk wegen herbstlichen Schönwetters lieber in die Berge als zu den Urnen.

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Nach der Landtagswahl im Juni erhielt die ÖVP in Tirol ihren nächsten Denkzettel. Landeshauptmann Günther Platter hatte die Nationalratswahl zwar mit den Worten "Es ist eine Bundeswahl" weit von sich geschoben, für die Wählerinnen und Wähler dürfte das aber nicht gelten. Landesgeschäftsführer Hannes Rauch hatte die Latte vor der Wahl mit 30 Prozent wohl bewusst niedrig gelegt.

Vor allem das Außerfern strafte die ÖVP ab. Im Bezirk Reutte verlor die ÖVP fast 17,53 Prozent. Zu groß dürfte der Schock nach der Abwahl der beliebten Landesrätin Anna Hosp bei den ÖVP-Wählern ihrer Heimat sitzen. Hosp zählte mit Landesrätin Elisabeth Zanon zu den beliebtesten Politikerinnen Tirols, beide waren nach der Machtübergabe von Herwig van Staa an Günther Platter nicht mehr im neuen Regierungsteam.

"Die tun ohnehin, was sie wollen" , formulierte ein Beobachter im Tiroler Landhaus knapp: "Hab ich Platter im Juni gewählt?"

ÖVP wird abgestraft

Die SPÖ Tirol ist mit ihrem leichten Minus auf 16,31 Prozent nach der Niederlage bei den Landtagswahlen (-10,24 Prozent auf 15,46 Prozent) zufrieden. "Wir sind deutlich besser als bei der Landtagswahl" , sagte SPÖ-Geschäftsführer Meinhard Eiter.

Die Gewinner des Wahlsonntags sind aber FPÖ (16,56 Prozent, plus 6,6 Prozent) und BZÖ (20,47 Prozent, plus 7,21 Prozent). Gerald Hauser, Tiroler FPÖ-Chef, sieht in der Handschlagqualität seines Chefs Heinz-Christian Strache den Grund für den Wahlerfolg der Blauen auch in Tirol. Für den Tiroler Spitzenkandidaten Werner Königshofer sei der Umgang der ÖVP mit den Landesrätinnen Anna Hosp und Elisabeth Zanon symptomatisch für die Partei und das Ergebnis. Auch das BZÖ ist - obwohl nicht im Landtag vertreten - in Tirol wieder da. Das Plus von 7,21 Prozent verdanken die Orangen nur einem: "Jörg Haider, BZÖ-Chef und Landeshauptmann von Kärnten" , meinte der Tiroler BZÖ-Spitzenkandidat Gerhard Huber.

Der Rechtsruck in Tirol ist für Soziallandesrat Gerhard Reheis (SPÖ) verständlich: "Was sollen sich die Wähler auch denken bei so einer Regierungsarbeit?"

Für die Grünen ist das Tiroler Ergebnis "erträglich" . Das Minus von 1,51 Prozent auf 8,06 Prozent sei angesichts der Konkurrenz durch die Zahl der Mitbewerber "geradezu in Ordnung" . Das bundesweite Wahlergebnis sei aber "eine Katastrophe" , heißt es aus dem grünen Büro nüchtern.

Fritz verliert fast zehn Prozent

Kaum eine Überraschung ist wohl das schlechte Abschneiden des Bürgerforums von Fritz Dinkhauser. "Er hätte in Tirol bleiben sollen" , hieß es während des Wahlkampfes von seinen Unterstützern. Das Bürgerforum, das im Juni 18,35 Prozent der Stimmen abgeräumt hatte, erreichte 8,9 Prozent. Stefan Posch, Spitzenkandidat, ist mit dem Ergebnis dennoch zufrieden. Mit der Landtagswahl könne diese Wahl nicht verglichen werden, mit den großen Verlusten seit der Landtagswahl kann Posch leben: "Wir sind eine junge Bewegung, die sich erst bilden muss." (DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2008)