London - Nicht nur im Labor ist sie nützlich, die Hausmaus kann auch einen maßgeblichen Beitrag zur Geschichtsforschung liefern: Nach Ansicht von Wissenschaftlern kann Mus musculus darüber Aufschluss geben, wie sich Wikinger vor rund tausend Jahren über Europa ausgebreitet haben.

Die Maus habe sich in verschiedenen Untergruppen entwickelt, nachdem sie vor rund dreitausend Jahren aus dem Nahen Osten nach Westeuropa gekommen sei, erklärten Forscher der britischen Universität York in einem Beitrag in einer Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B".

Weil die Hausmaus in unmittelbarer Nähe zu Menschen lebt und - etwa an Bord von Schiffen - auch mit ihm auf Reisen geht, lasse sich mit Hilfe der verschiedenen "Mäuse-Stämme" aufzeigen, wohin die Menschen gezogen seien und wo sie sich niedergelassen hätten.

Orkney-Mäuse aus Norwegen

Jeremy Searle und seine Kollegen untersuchten das Genmaterial aus Gewebeproben von 310 Mäusen. Das Erbgut der Mäuse, die aus Großbritannien stammten, habe den gleichen Ursprung und Ähnlichkeit mit Mäusen aus dem heutigen Deutschland. Mäuse von den Orkney-Inseln vor der schottischen Nordküste hätten dagegen "Wikinger-Gene" und stammten von norwegischen Mäusen ab, berichteten die Forscher.

Dies decke sich mit dem Geschichtswissen, wonach die Orkneys im elften und zwölften Jahrhundert ein wichtiges Seefahrerzentrum waren. Derartige Erbgutuntersuchungen könnten möglicherweise dazu dienen, "neue Aspekte der menschlichen Geschichte aufzudecken", hieß es. (APA/red)