Graz - Er entdeckte die Kommunikation der Honigbienen, analysierte ihr Sozialverhalten und ihr Farbsehen: Der aus Österreich gebürtige und nach 1945 in Graz lehrende Zoologe Karl von Frisch. Er erhielt vor 35 Jahren - am 11. Oktober 1973 - gemeinsam mit dem österreichischen Verhaltensforscher Konrad Lorenz und dem Niederländer Nikolaas Tinbergen den Nobelpreis für Medizin.

Die Entschlüsselung der "Bienensprache" hat Karl von Frisch berühmt gemacht: Seine Arbeiten haben u.a. geklärt, dass die Bienen ihre Futterstellen nicht individuell suchen. Vielmehr benutzen sie Tänze, um sich über Futterquellen zu informieren: Schwänzeltanz und Rundtanz zeigen Richtung und Entfernung des Futters.

Werdegang

Frisch wurde am 20. November 1886 in Wien geboren. Nach einigen Semestern Medizinstudium an der Universität Wien wechselte er zur Zoologie, sein Doktorat erlangte er 1910. Im gleichen Jahr kam er als Assistent ans Zoologische Institut der Universität München. Die Sinnesphysiologie und das Verhalten der Tiere, insbesondere bei Fischen und Bienen wurden zu seinen Arbeitsschwerpunkten.

Nach Berufungen nach Rostock und Breslau war von Frisch von 1946 bis 1950 an der Universität Graz tätig, kehrte aber 1950 an die Uni München zurück, wo er 1958 emeritiert wurde. Den Nobelpreis für Physiologie und Medizin erhielt der 87-jährige Frisch gemeinsam mit Lorenz und Tinbergen "für ihre individuellen Beiträge zur Erforschung des tierischen Verhaltens". Der Verhaltensforscher starb am 12. Juni 1982 in München.

Die Tänze der Bienen

Von Frisch untersuchte fünf Jahrzehnte lang eines der komplexesten Informationssysteme bei Insekten. Die von ihm entdeckten Verhaltensweisen "Rundtanz", "Sicheltanz" und "Schwänzeltanz" der Honigbiene beschrieb er als Elemente einer "Bienensprache", mit der Informationen über Entfernung und Richtung der Nahrungsquelle an Artgenossen übertragen werden. Generell bedeutet ein Schwänzeltanz, dass die Futterquelle über 100 Meter entfernt ist, je weiter, desto langsamer wird der Tanzrhythmus. Unter 100 Metern wird ein einfacher Rundtanz ohne sichtbare Richtungsangabe aufgeführt. Weiters fand von Frisch heraus, dass Bienen die Polarisation des Sonnenlichts wahrnehmen und sich so auch ein einem wolkenverhangenen Tag sicher zurecht finden.

Bis heute wird in Graz an Bienen geforscht: "Die Bienen werden hinsichtlich ihrer Sinnes- und Stoffwechselphysiologie, ihres Verhaltens und ihrer Krankheiten untersucht. Die jüngste Forschungsrichtung ist das Modellieren ihres Verhaltens und die Implementierung ihrer Strategien in Programme für Roboterschwärme", so Karl Crailsheim vom Institut für Zoologie der Uni Graz.  (APA)