Heute findet im Nationalrat die Angelobung der Abgeordneten statt - sowie die Wahl des Nationalratspräsidenten und dessen Stellvertreter, bei der die FPÖ aufgrund ihres Vorschlagsrechts bekanntlich Martin Graf in das Amt des Dritten NR-Präsidenten hieven möchte.

Graf hat sich als Student in den Achtzigerjahren der Burschenschaft "Olympia" angeschlossen, die laut Innenministerium 1961 unter anderem deshalb aufgelöst worden ist, weil "gegen Vereinsmitglieder wegen des Verdachtes nationalsozialistischer Betätigung gerichtliche Untersuchungen geführt wurden". 1971 wurde die Burschenschaft dann neu gegründet und meldete sich u. a. 1991 beim "Burschentag" in Eisenach mit einem Antrag zu Wort: "Die Unterwanderung des deutschen Volkes durch Angehörige von fremden Völkern bedroht die biologische und kulturelle Substanz des deutschen Volkes."

In diese Organisation trat Martin Graf bewusst ein, an dieser "Lebensgemeinschaft" hält er bis heute bewusst fest. Der "Alte Herr" der "Olympia" hat die für seine Geisteshaltung richtige Wahl getroffen. So bezeichnet er selbst das NSDAP-Verbotsgesetz wörtlich als "menschenrechtswidrig", weil es die "Meinungsfreiheit" und die "politische Tätigkeit" einschränke. Ja, Herr Graf, die "politische Tätigkeit" wird durch das Verbotsgesetz wirklich eingeschränkt, genau das ist auch der Sinn des Gesetzes. Die meisten Österreicherinnen und Österreicher wollen nämlich nicht, dass die NSDAP oder mit ihr sympathisierende Organisationen wieder ihre "politische Tätigkeit" entfalten.

Bei Armin Wolf war Graf am 1. Oktober 2008 auf die einfache Frage, ob er - wie sein langjähriger Parteikollege John Gudenus - bezweifle, dass in Gaskammern im Dritten Reich Millionen Juden ermordet wurden, zu keinem einfachen "Nein" fähig.

Der Umgang in diesen Kreisen ist jedenfalls für einen Dritten Nationalratspräsidenten völlig inakzeptabel. Dass dies für FPÖ und BZÖ kein Hinderungsgrund für eine Zustimmung darstellt, ist betrüblich, aber leider zu erwarten. Dass sich ÖVP und SPÖ allen Ernstes überlegen, diesen Mann zu wählen, ist ein Skandal. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2008)