Gipsobjekte mit allerlei Zutaten erinnern nur mehr vage an den Ursprung ihrer Form, den Körper einer Frau, sondern an Panzer.

Foto: Young Austrian Art

Im Sommer lässt Barbara Preyer schon mal die Tür offen, um den Leuten die Schwellenangst zu nehmen. Derzeit lockt die Galeristin, die nun schon die neunte Ausstellung in ihrer Galerie in der Breite Gasse zeigt, mit intimen Arbeiten der österreichischen Künstlerin Lisa Klein. Diese lassen zunächst an zarte Wäsche, aber auch an Fetischkleider denken.

Kleins Objekte schweben an Schnüren frei im Raum, hängen an der Wand oder stehen auf metallenen Laschen, die ebenfalls an Bekleidungsdetails denken lassen, wie auf eigenen Füßen. Klein fertigt sie aus der Kombination unterschiedlichster Materialien: Gips ist immer dabei, dazu kommen Acrylharz, Moos, Kunstrasen, Silikon oder auch schon einmal Fliesenkreuze.

Je nach Perspektive kommen auch Assoziationen mit Architekturmodellen auf. Manchmal lassen die Körperabformungen sogar an Knöchelchen denken oder an kleine Panzer. Und das sind sie, obgleich vielleicht mit Rosen bestickt, auch: leere, fragmentierte Hüllen, die auf die Abwesenheit des verletzlichen Inneren verweisen. Oszillierend zwischen Fragilität und aggressivem Äußeren, ähneln sie den Rosen, die Klein in riesige Gemälde fasst. Betörend und dornig zugleich. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.10.2008)