Boston - Als der 21-jährige Liam Youens zuerst eine ehemalige Mitschülerin und dann sich selbst erschoss, hatte er diese Tat monatelang mit Recherchen im Internet vorbereitet. Der Jugendliche habe das Internet nicht nur dazu genutzt, sein Opfer ausfindig zu machen, auch seine Mordpläne habe er ausführlich auf seinen Seiten dargestellt, berichtete die Zeitung "The Boston Globe". Anhand der Einträge hätten die Beamten das Verbrechen rekonstruieren können. Als Reaktion auf das Blutbad will der Stiefvater der ermordeten Amy Boyers, Tim Remsburg, jetzt die Internet-Anbieter Geocities und Tripod verklagen, bei denen der Mörder seine Web-Seiten unterhielt. "Besessen" Wie es hieß, war Youens seit dem gemeinsamen Besuch der zehnten Klasse in der Nashua High School von seiner Mitschülerin besessen. Bereits damals habe er den Entschluss gefasst, zuerst Amy und danach sich selbst umzubringen. Seit dem Schulabschluss der Jugendlichen im Jahr 1997 habe er Boyers über das Internet ausspioniert. Auf diesem Wege habe er sich sämtliche Informationen über sein Opfer verschafft - von der Adresse über die Sozialversicherungsnummer bis hin zur Adresse der Zahnarztpraxis, bei der Boyers arbeitete, und wo Youens seinen tödlichen Plan am 15. Oktober in die Tat umsetzte. Inhalt nicht überwacht Remsburg wirft Geocities und Tripod vor, sie hätten den Inhalt ihrer Internet-Seiten nicht überwacht. Außerdem sei es Youens gelungen, andere Internet-Dienste wie die der Firmen Docusearch und Infoseekers zu seinen Nachforschungen zu nutzen. Die Firmen hingegen berufen sich auf ein US-Bundesgesetz, das Internet-Anbieter von der Haftung für die auf ihren Seiten verbreiteten Inhalte frei spricht. Außerdem sei es technisch gar nicht möglich, die Inhalte der Seiten zu prüfen. Die Seiten des Mörders seien nach Bekanntwerden des Verbrechens gelöscht worden. Die Sprecherin eines Internet-Suchdienstes sagte der Zeitung, ihr Unternehmen beziehe seine Informationen auch nur aus öffentlichen Quellen, wie beispielsweise Gerichten oder Autoversicherungen. (AP)