Unternehmer mit 16: Nico (links) teilt den Abteilungen ihre Aufgaben zu.

Foto: derStandard.at/Oberndorfer

To-Do-Liste auf der Tafel: Alle zwei Wochen besprechen die MitarbeiterInnen die nächsten Schritte.

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"Wir brauchen noch Flyer für den Elternsprechtag!" Geschäftsführer Nico fasst zusammen, was in den nächsten Wochen alles zu tun ist. Einige scheinen in der zweiten Unterrichtsstunde noch etwas müde, andere bringen ihre Ideen und Einwände. "Ist es nicht billiger, die Flyer farbzukopieren als drucken zu lassen?", fragt eine Mitarbeiterin. "Ihr müsst aufs Geld schauen", mahnt die Lehrerin, "schließlich müsst ihr euch ja Gehälter ausbezahlen."

Die Juniorfirma der 7a des Haydn-Gymnasiums im 5. Wiener Gemeindebezirk merkt von der Finanzkrise noch nichts. Jedes Jahr versucht eine Gruppe des Schulschwerpunkts "Schlüsselqualifikationen, Wirtschaft und Studium" (SWS) ein Produkt zu etablieren, dieses Jahr ist es ein Kochbuch. Seit vier Jahren bietet das Realgymnasium den SchülerInnen ab der fünften Klasse die Möglichkeit an, zwischen einem naturwissenschaftlichen und einem wirtschaftlichen Schwerpunkt zu wählen.

Dieses Jahr erste Absolventen

"An Handelsakademien ist das nichts Neues, aber ein Wirtschaftszweig an einem Gymnasium ist eine Seltenheit", sagt Direktor Hans Rudolf. Der Lehrplan beinhaltet neben Social Skills auch verpflichtende Sprachzertifikate, den Unternehmerführerschein und eben die Übungsfirma. Dieses Schuljahr maturieren die ersten SchülerInnen der neuen Oberstufenaufteilung. Rudolf hofft, dass es sie auch später in die Wirtschaft zieht.

Wirtschaftskundelehrerin Karin Ruprecht unterrichtet die Übungsfirma. "Alle zwei Wochen haben wir eine Doppelstunde, um den weiteren Verlauf zu besprechen", erklärt sie. Dabei nehme sie eher eine beratende Rolle ein.

"Aktionäre" erhalten Anteilsscheine

In wenigen Tagen ist an der Schule Tag der offenen Tür, und die Juniorfirma will sich schon dort mit Plakaten und einem Stand präsentieren. "Wir brauchen noch Rezepte von den Lehrern", meint Nico. "Und wir müssen den Direktor um Erlaubnis fragen, ob wir einen Kochkurs an der Schule machen dürfen", erinnert Philipp. Lys erklärt sich bereit, eine Lehrerin als Unterstützung zu suchen. Um den Preis für den Kurs zu berechnen, müssen die MitarbeiterInnen erst herausfinden, wie viele SchülerInnen mitmachen würden.

Gehandelt wird in der Juniorfirma mit echtem Geld. Das erhalten sie durch Anteilscheine, die sie an Eltern und Verwandte verkaufen. 60 solcher Scheine zu jeweils zehn Euro hat die Firma zur Verfügung. Die Anteile muss sich die Firma am Ende des Projekts zurückkaufen. "Da kann es schon mal passieren, dass die 'Aktionäre' nur mehr acht von zehn Euro zurückbekommen", erinnert sich Ruprecht an frühere Projekte.

Praxis-Beispiel bringt Erfahrung

Die Übungsfirma ist laut der Lehrerin der einzige Unterricht, in dem die SchülerInnen hautnah erleben, wie mit Geld umgegangen werden muss. Den Wirtschaftskundeunterricht nutzt sie, um ihnen Zusammenhänge zu erklären. "Da kommt uns die Finanzkrise sehr zugute. Das ist unter den SchülerInnen ein großes Thema."

Die SchülerInnen selbst scheinen einen sehr überlegten Umgang mit Geld zu haben. "Seitdem ich im vergangenem Sommer gearbeitet habe, hat sich meine Einstellung zum Geld geändert", sagt der 17-jährige Philipp. Er gebe es nicht mehr so leichtsinnig aus. Auch der 16-jährige Nico versucht, Geld zu sparen: "Ich bekomme 70 Euro im Monat Taschengeld, davon hebe ich mir jedenfalls immer zehn Euro auf."

Schulden kein Thema

Auch die 16-jährige Lys hat schon in den Ferien gearbeitet. Sie besitzt zwei Konten: "Auf einem habe ich das Geld, dass ich mir zusammenspare. Das andere benutze ich für den Alltag." Taschengeld bekommen sie und Philipp nicht direkt, was sie brauchen, erhalten sie von ihren Eltern.

In die Schuldenfalle sind die drei SchülerInnen noch nicht getappt. "Eine Freundin von mir hat mal ihr Konto überzogen", berichtet Lys. Im Unterricht kämen hin und wieder Geldsorgen zur Sprache, erklärt Ruprecht. "Meistens helfen die Eltern den Kindern aus der Patsche. Aber von größeren Probleme habe ich an unserer Schule noch nichts mitbekommen."

Vorbereitung für den Beruf

"Hebt eure Rechnungen auf, die können wir von der Steuer absetzen!" Das hat Philipp, der Geschäftsführer der Übungsfirma, aus dem Vobereitungskurs für den Unternehmerführerschein gelernt, der für die SchülerInnen aus dem Wirtschaftsschwerpunkt verpflichtend ist. Das Projekt, das er gerade leitet, sieht er auch als Vorbereitung für den Beruf: "Wenn unser Produkt erfolgreich ist, ist das natürlich eine Motivation dafür, mich einmal selbständig zu machen." (Teresa Eder, Elisabeth Oberndorfer/derStandard.at, 2.12.2008)