Der Klassiker: Wichtige Gespräche unter seinesgleichen.

Foto: Der Standard / Matthias Cremer

Regulierung und Spielregeln sind derzeit strapazierte Begriffe. Finanzdienstleister, Banker, Industrielle und Ex-Politiker geben sich in diversen Diskussionssendungen die Klinke in die Hand, Frauen tauchen nur als Moderatorinnen in diesen Runden auf. Mit ungebrochenem Selbstbewusstsein reden die Herren der Industrie, der Finanz und Wirtschaft über die Zukunft der Welt. Nebenbei fügen sie meist hinzu, schon immer für "faire Spielregeln" gewesen zu sein. Es gibt nicht mehr allzu viele Bereiche, in denen sich reine Männerrunden so natürlich zusammenfügen, doch dieser, die Finanzwelt, hat es in sich.

Klare Machtverhältnisse

Die vorherrschenden Machtverhältnisse werden darin beispiellos widergespiegelt. Wenige Männer und wenige Staaten glauben zu wissen, wie der Hase läuft bzw. laufen muss. Dass es sich aber bei dieser Zusammenstellung einiger weniger nicht um eine Aussiebung der "Besten der Besten" handelt, hat die jüngste Vergangenheit gezeigt. Kritische Stimmen betonten in den letzten Wochen, dass sich das Desaster zwar von langer Hand angekündigt hat, entsprechende Reaktionen aber von den Verantwortlichen ausblieben. Dass sich die Wortführerschaft um die Finanzkrise nun wieder aus der gleichen homogenen Gruppe aus weißen Männern aus Europa oder Nordamerika zusammenstellt, hat also weniger damit zu tun, dass gerade diese den besten Job machen, sondern auch mit dem Wort der Stunde: Regulierung. Allerdings handelt es sich um eine andere Sorte, nämlich um die, die beständig dafür sorgt, dass die bestehenden Machtverhältnisse reproduziert werden.

Die Männer der Finanz- und Wirtschaftswelt verdanken ihren Einfluss ebenso Reglements, allerdings meist informellen, was für ihre Wirkung keine Einbußen bedeutet. Dass jetzt eben diese fein ausgesiebte Finanz- und Wirtschaftswelt gnädig in Erwägung zieht, wo sie staatliche Einmischung künftig stärker dulden will, wirkt aus zwei Gründen skurril: erstens weil sie glauben, sie verdanken ihren Einfluss ausschließlich der eigenen Fähigkeiten, und zweitens, weil das Selbstverständnis, die Entscheidungen (am liebsten gänzlich ohne die Politik) darüber selbst zu treffen, wo die "freie" Marktwirtschaft welchen Regeln folgen muss, anscheinend nicht erschüttert wurde.

Rückenwind?

Eine durch diese informellen Regulierungen selektierte Gruppe redet nun also seit langem wieder positiv über offizielle "Spielregeln", mehr Kontrolle und Aufsicht. Im Zuge dieser nunmehr positiveren Auffassung der im Neoliberalismus verpönten Begriffe können wir gespannt sein, ob sich dieser Rückenwind auch auf frauenpolitische Themen auswirkt. Wenn in den Diskussionen rund um die Wirtschaftskrise zaghaft der Bedarf an staatlicher Unterstützung laut wird, müssten doch Meinungen über die "Zwangsmaßnahme" Frauenquote, diesem "ungerechtfertigten Eingriff" in Prozesse, in denen die "Leistung" und nicht gesetzliche Regelungen entscheiden sollen, auch noch einmal überdacht werden. Denn, alles regelt sich nicht von allein, nicht die "freie" Marktwirtschaft, wie die Wirtschaftkrise zeigt, und ebensowenig die stark verankerten informellen Reglements um jene illustren Alt-Herren-Runden, die aktuell wieder die Lage der Weltwirtschaft besprechen. (beaha, dieStandard.at, 1.12.2008)