Zeitgeschichtliche Ereignisse in Unterhaltungsfilmen nachzustellen geht wahrlich nicht immer gut. Armbanduhren in Sandalenfilmen waren ebenso schon zu sehen wie asphaltierte Wege in Filmen über den Dreißigjährigen Krieg. Shit happens.
Am Sonntag strahlte der ORF zeitgleich mit der ARD den Film „Mogadischu" von Roland Suso Richter aus. Dieser behandelt den sogenannten Deutschen Herbst des Jahres 1977.

Foto:ORF/Degeto/Stephan Rabold

Am 5._September entführten Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) den deutschen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, am 13. Oktober wurde eine Lufthansa-Maschine auf dem Weg von Mallorca nach Frankfurt gekidnappt und fünf Tage später im ostafrikanischen Somalia, in Mogadischu, von einer deutschen Antiterroreinheit befreit.

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„Mogadischu" zeichnete den Weg der Entführung Station für Station nach. Schön ausgestattete und brav nachgestellte historische Persönlichkeiten wie der dauerrauchende Bundeskanzler Helmut Schmidt sowie ein Mut zur Deix'schen Hässlichkeit zeigender Jürgen Tarrach als Nahost-Experte Wischnewski erfreuten das Auge, der Hadern "Yes Sir, I Can Boogie" der Disco-Schnitten Baccara beleidigte ebenso authentisch das Ohr.

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Allein die entführten Passagiere wirkten mit wenigen Ausnahmen noch nach fünf Tagen im Flieger wie zart verschwitzte Models, die eben diese blöde Unpässlichkeit zu überstehen hätten.

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Oberbösewicht Captain Martyr Mahmud sah im geilen Achselzwicker-T-Shirt mit Che-Guevara-Aufdruck aus wie dem H&M-Katalog entnommen, seine granatenschwingenden Kolleginnen gingen allesamt als Amy-Winehouse-Kopien durch.
Ein Blick in wohl jedes deutsche Familienfotoalbum von 1977 würde zeigen: Nee du, in echt waren die allesamt viel hässlicher. (flu/DER STANDARD; Printausgabe, 2.12.2008)

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