Wien - Der Generaldirektor der Bank Austria, Erich Hampel, erwartet für 2009 "gravierende Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft" - die viel beklagte "Kreditklemme" sieht er, wie übrigens alle seiner Bankmanager-Kollegen, nicht. Zuletzt habe der Zuwachs bei den Firmenkrediten im Schnitt acht Prozent betragen, die Bank Austria sei mit 9,9 Prozent über dem Schnitt gelegen. "Und wir gehen davon aus, dass es weiterhin Kredite geben wird, für sinnvolle Projekte und bei passender Bonität. Aber die Kredite werden nicht billiger werden", sagte Hampel am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien.

Auf die Bank Austria selbst sieht Hampel "keine großen Belastungen" zukommen, das heurige Ergebnis werde so ausfallen wie jenes des Vorjahres, auch im vierten Quartal erwarte man einen "stabilen Geschäftsverlauf". Einiger Abwertungsbedarf wurde ja, wie berichtet, in der jüngsten Quartalsbilanz verarbeitet, das Engagement in Island bezifferte Hampel mit 95 Mio. Euro, jenes bei Lehman Brothers mit einem "kleinen zweistelligen Millionenbetrag".

Wie sich die wirtschaftliche Entwicklung Osteuropas über die Ostbanken-Töchter der Bank Austria in der Bilanz 2008 materialisieren wird, konnte Hampel noch nicht sagen, man sei gerade in der Budgetierungsphase. Insgesamt hätten sich die Töchter im Osten gut entwickelt - es gebe aber Länder, in den das Wachstum "langsamer geworden ist". Konkret bezeichnete Hampel die ökonomische Lage in Kasachstan und der Ukraine als "schwierig".

Die auch nicht ganz einfache Situation auf Österreichs Bankenmarkt hat sich bereits materialisiert - jedenfalls bei den Verkaufsplänen der Bank für ihren Anteil an der 3-Banken-Gruppe. Die Pläne sind auf Eis gelegt, "der Verkauf wird sicher verschoben", stellte Hampel fest. Man müsse aber auch nicht verkaufen, die Bank sei ja eine "solide und gesunde".

CPB auf Beobachtung

In die Gegenrichtung läuft die eigentumsrechtliche Entwicklung bei der Constantia Privatbank (CPB), die die fünf Großbanken vor kurzem nolens volens übernommen haben. Hier verschaffe man sich gerade einen Überblick, in der nächsten Aufsichtssratssitzung Mitte Dezember werde man über die Zukunft entscheiden. "Eine kleine Privatbank mit fünf Eigentümern zu führen, macht aber sicher keinen Sinn", erklärte Hampel - schloss aber etwaige Übernahmegelüste der Bank Austria gleich aus: "Wir haben sicher kein Interesse an der CPB."

Sehr bedeckt gab sich der Bank-Austria-Chef zum bevorstehenden Verkauf der Genussrechte aus der B&C Industrie-Holding an die B&C Stiftung. Es gebe eine Grundsatzvereinbarung zwischen Holding und Bank, für alles andere sei es "zu früh". Wie berichtet winken der Bank im Idealfall bis zu 1,2 Mrd. Euro, der Deal soll heuer bilanzwirksam werden. (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 02.12.2008)