Hätte es in den 1980er-Jahren die vielsagende Bezeichnung Buberlpartie bereits gegeben, auf Erich Foglar hätte sie perfekt gepasst. Denn der präsumtive ÖGB-Präsident war lange Jahre einer der drei "Buberln" des legendären Metallgewerkschaftschefs Rudolf Nürnberger.

Als jüngster unter Nürnbergers Taschenträgern hatte er auf dem Weg nach oben nicht nur Fleiß, Kalkül und Glück auf seiner Seite, sondern auch die Zeit - und natürlich den Bawag-Skandal. Letzterer fegte im Frühjahr 2006 die Altvorderen von den ÖGB-Schalthebeln, sofern sie ihre Plätze nicht bereits von sich aus geräumt hatten (wie Hans Sallmutter, früher Chef der Privatangestellten). Nun, da die wieder- erstarkten Gewerkschafter nach neun Jahren Abstinenz den Sozialministerposten zurückerobert haben (und just den pragmatisierten Gemeindebediensteten Rudolf Hundstorfer mit der Verwaltung der Arbeitslosen betrauen), schlug die Stunde des 53-jährigen Foglar. Denn die beiden anderen "Kofferträger", Karl Haas und Franz Riepl, hatten es wohl zu einflussreichen Sekretären in der Metallarbeitergewerkschaft gebracht, aber nicht zu Vorsitzenden. Da mittlerweile beide 60 sind, wären sie schwerlich Signale eines Generationenwechsels gewesen.

Foglars Karriere ist typisch für einen Spitzenfunktionär: bereits während der Lehre zum Werkzeugmacher bei Philips in Purkersdorf bei Wien gewerkschaftlich organisiert, nach zehn Jahren und einer Werkmeisterausbildung als Betriebsrat freigestellt, was ausreichend Zeit lässt, Gewerkschaftsschule und Sozialakademie der Arbeiterkammer zu durchlaufen.

Ab 1987 stand dem Dauerläufer in der ebenso mitglieder- wie finanzstarken Metallarbeitergewerkschaft nichts im Weg: Er vergrößerte Nürnbergers Reich um Textil, Nahrungs- und Genussmittel zu einer Art Selbstversorger, der sich mit dem Energiesektor wirtschaftlicher Autarkie rühmte.

Mit der Autonomie, die Teilgewerkschaftschefs wie eine Monstranz vor sich hertragen, ist es nun vorbei. Foglar muss als ÖGB-Chef sparen, ist auf die Einnahmen der Basis angewiesen. Darin ist er geübt, zuletzt hat er sogar sein Gewerkschaftshaus in der Plößlgasse an den "Klassenfeind", eine Bank mit angeschlossenem Baukonzern, verkauft. Golfspielen wie sein Widersacher Wolfgang Katzian von der Privatangestelltengewerkschaft will der verheiratete Vater zweier erwachsener Töchter auch dann nicht, wenn er die Löhne für 106.000 Metallarbeiter nicht mehr verhandelt. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD Printausgabe, 2. Dezember 2008)