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Wenig erfreut sind die Japaner mit der aktuellen Wirtschaftsentwicklung: Die Bank of Japan bewegt sich in Richtung Nullzins.

Foto: AP/Shizuo Kambayashi

Der Notenbank gehen die Instrumentarien aus, der Leitzinssatz nähert sich der Null.

Japans Notenbank will mit neuen Notmaßnahmen den Kreditfluss an Firmen aufrechterhalten, um den Absturz Japans in eine tiefe Rezession zu verhindern. So wird der geldpolitische Ausschuss auf einer eilig für heute, Dienstag, einberufenen Sondersitzung beraten, ob die Bank von Japan auch niederrangige Unternehmensanleihen von Banken als Sicherheit akzeptieren wird.

Mit dieser rasch wirkenden geldpolitischen Maßnahme will die Notenbank Japans Banken die Kreditvergabe an Unternehmen wieder schmackhaft machen. Denn auch Japans bislang gesunde Banken benötigen zig Milliarden Euro an neuem Kapital und drehen folgerichtig kriselnden Unternehmen immer schneller den Kredithahn zu. Die Notenbank befürchtet daher, dass kurzfristig Kreditengpässe zum Buchschluss Ende März vielen Firmen das Genick brechen, bevor die jüngste Zinssenkung von 0,5 auf 0,3 Prozent in zwölf bis 18 Monaten richtig zu wirken beginnt.

Der Griff in den Erste-Hilfe-Koffer der Geldpolitik unterstreicht, wie rasant sich auch in Japan die Krise ausbreitet. Waren Beobachter Anfang des Jahres noch optimistisch, dass Japan glimpflich davon kommen könnte, warnte Wirtschaftsminister Kaoru Yosano Montag in der Financial Times vor einer tiefen Krise. Die Investmentbank Morgan Stanley sieht Japans Wirtschaft 2009 um sogar 1,1 Prozent schrumpfen.

Denn inzwischen bricht nicht nur die Auslandsnachfrage, sondern auch die Inlandsnachfrage ein. Der Pkw-Absatz sackte im November vom ohnehin tiefsten Stand seit 30 Jahren weitere 27 Prozent ab, weil nicht nur die Banken, sondern auch die Verbraucher auf Sparmodus umgeschaltet haben. Gleichzeitig sinken die Immobilienpreise, kollabieren Immobilienkonzerne. Analysten rechnen inzwischen damit, dass Japan im kommenden Jahr wieder in die Deflation fällt. Dies würde eine Erholung der Wirtschaft erschweren.

Eine schnelle Wende ist nicht in Sicht. Erstens droht die Krise ab kommenden Jahr voll auf den Arbeitsmarkt durchzuschlagen, weil die Unternehmen die auslaufenden Verträge mit Vertragsarbeitern nicht verlängern. Zweitens kappen die Firmen die Löhne, indem sie die Winterboni senken.

Dies läuft Ministerpräsident Taro Aso gegen den Strich. Seine Popularität rutschte im vergangenen Monat massiv ab. Gestern forderte er daher den Unternehmensverband Nippon Keidanren unverhohlen zur Kehrtwende auf: "Beschäftigung und Löhne sind die Lebensgrundlage der Menschen. Daher wünsche ich, dass Unternehmen Arbeitsplätze sichern und Löhne erhöhen." Jedoch verneinte Keidanren- und Canon-Chef Fujio Mitarai die Bitte höflich. Um Arbeitsplatzsicherung wolle man sich gerne bemühen, aber in der Frage der Löhne sei man "mitten in der Diskussion". (Martin Kölling aus Tokio/DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2008)