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Immofinanz-Konzern Vorsgtandssprecher Thomas Kleibl kündigt "radikale Veränderungen" an.

Foto: APA/Barbara Gindl

Wien - Das neue Führungsduo des Immofinanz-Konzerns, Thomas Kleibl und Eduard Zehetner, haben am Dienstag eine grundsätzliche Neuausrichtung des größten heimischen Immobilienkonzerns bis Weihnachten angekündigt und einen radikalen Schnitt gegenüber dem "System Petrikovics" der vergangenen Jahrzehnte vollzogen.

Kleibl und Zehetner erarbeiten gerade zusammen mit Roland Berger einen Business-Plan, der Grundlage der Liquiditätsverhandlungen mit den sechs Kern-Geldgebern (Banken) werden soll. Ein erster Bericht soll bis Mitte Dezember stehen, bis Weihnachten will man "einen ersten Meilenstein in der Neuausrichtung der Unternehmensgruppe erreichen" (Kleibl).

Die Abspaltungsverträge über den Immobilienteil der Constantia Privatbank (CPB) werden aktuell neu verhandelt, deren Werte "tendieren dramatisch gegen Null", wie Neo-CFO Zehetner sagte. Ursprünglich hätten für das bei der Bank angesiedelte Management und einige Immobilienfirmen 440 Mio. Euro gezahlt werden sollen.

Die Immofinanz rechnet fest damit, dass Garantien durch die niederländische Constantia Packaging BV werthaltig sind und verlangt unter diesen Titeln weiterhin 512 Mio. Euro von der Holding-Gesellschaft aus dem "Turnauer-Imperium". Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, habe man soeben eine einstweilige Verfügung gegen die Constantia BV durchgesetzt, die auf 30 Tage befristet ist, sagte Zehetner. In diesem Zeitraum dürfe die "BV" wesentliche Teile ihres Vermögens nicht veräußern.

Liquiditätsengpass

Sollte das Ringen um die 512 Mio. Euro in einen langgezogenen Rechtsstreit ausarten, müsse für die Finanzierung eine "Zwischenlösung" gefunden werden, meinte Zehetner, ohne ins Detail zu gehen. Um einem Liquiditätsengpass vorzubeugen, hat die Gruppe mittlerweile drei Viertel ihrer ursprünglich geplanten Entwicklungsprojekte von 7 bis 8 Mrd. Euro gestoppt. Über mögliche Zukunftslösungen wie den Einstieg neuer Financiers wollte Zehetner nicht spekulieren.

Die beiden Neo-Vorstände erklärten, ihre Tätigkeit bei der Bewältigung der Vergangenheit für im wesentlichen beendet. Man habe dem Staatsanwalt eine Sachverhaltsdarstellung über das "System Petrikovics" übergeben und konzentriere sich nun auf die künftige Ausrichtung des Unternehmens. Die fehlenden 512 Mio. Euro seien zu einem guten Teil durch Spekulationen mit Aktien vernichtet worden, deren Wert radikal verfallen ist. Petrikovics habe sich in seiner Doppelfunktion "nicht in erster Linie um Immofinanz und Immoeast gekümmert, sondern unterschiedliche Interessen gegeneinander ausgespielt".

Mehrere Einstiegsinteressenten  

Die Zukunft der beiden eng verflochtenen Gesellschaften liegt nicht notwendigerweise in einer auch rechtlichen Zusammenführung  von Immofinanz und Immoeast, die ursprünglich favorisierte Fusion ist heute nur "eine Option" unter mehreren, sagte Immofinanz-CEO Thomas Kleibl am Dienstag. Mittlerweile hätten auch mehrere potenzielle Partner aus dem Ausland angeklopft, die Interesse an einem Einstieg hätten, hieß es.

 Die Hereinnahme eines neuen Eigentümers nach dem Muster der früheren Meinl European Land (heute: Atrium European Real Estate Ltd.) wollte das neue Managment nicht ausschließen

 Auf die Frage, ob mangelndes Eigenkapital überhaupt das Problem sei, antwortete Zehetner, er habe "fünf Jahre einen Konzern mitgeführt, der kein Eigenkapital hatte", Eigenmittel könne man aber nie genug haben. Zehetner gilt als Mastermind hinter der Sanierung des Feuerfestkonzerns RHI, nachdem das Unternehmen im Jahr 2001 seinen kurz davor zusammengekauften US-Unternehmensteil wegen Asbestklagen in Konkurs schicken musste. 

Gegen Null

In der Constantia Privatbank (CPB) sieht man die Managementverträge, über die Immofinanz und Immoeast operativ gesteuert werden, durch die Krise der Firma nicht wesentlich entwertet und ordnet Aussagen des neuen Immofinanz-Finanzvorstands Eduard Zehetner den laufenden Verhandlungen über die Ablöse der Verträge zu.

Bei einer Pressekonferenz in den Vormittagsstunden hatte Zehetner davon gesprochen, dass der Wert der Verträge "gegen Null tendiere" und dass "nicht annähernd die Beträge" gezahlt werden könnten, von denen ursprünglich gesprochen worden sei (zuerst 440 Mio. Euro, danach 340 Mio. Euro).

Nun verhandeln Immofinanz/Immoeast wieder über den Kaufpreis, was von der Bank explizit bestätigt wird. Sie betonte gegenüber der APA, dass die Managementverträge nach wie vor aufrecht seien..

Die Meinung Zehetners, dass (mittlerweile verschwundene) Gewinne den eigentlichen Wert des abzulösenden Managements ausmachten, teilt man in dem Institut nicht: Demnach hätten sich die Bank-Einnahmen aus dem Management der beiden Immos wesentlich auch nach den Verkehrswerten gerichtet. Und diese seien allenfalls geringer geworden, aber nicht verschwunden. (APA)