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Die Grotte der Bernadette Soubirous in Lourdes zieht alljährlich zehntausende schwerkranke Menschen an. Wunderheilungen bleiben aber aus.

Foto: AP/Christophe Ena

Paris/Lourdes - Die katholische Pilgergemeinde Lourdes ist ein Ort kirchlich - und medizinisch - anerkannter Wunder. Doch Dank der modernen Medizin wird es zuletzt immer Stiller um die "wundersamen Heilungen"; das letzte "echte Wunder" geschah vor 21 Jahren und traf einen Mann, der nach dem Besuch der Grotte der heiligen Bernadette von multipler Sklerose geheilt gewesen sein soll.

"Seitdem hat es zwar weiter unerklärliche Heilungen gegeben, aber wegen des medizinischen Fortschrittes ist die Anerkennung praktisch unmöglich geworden", meint Pater Barzen, deutscher Seelsorger in Lourdes. So dürfte der Geheilte für ein "lupenreines Wunder" nicht ärztlich behandelt worden sein, zudem müsste eine psychische Dimension der Genesung auszuschließen sein.

"Wunder light"

Daran ändert auch das 2006 eingeführte "Wunder light", wie die Variante von Spöttern genannt wird, nichts. Damit Lourdes nicht länger gänzlich ohne Wunder dasteht, erfand der Erzbischof von Lourdes und Tarbes, Jacques Perrier, dieses "kleine Wunder". Fünf derartige Ereignisse verzeichnete der Wallfahrtsort zwischen 2004 bis 2007.

Das in Lourdes für diese Fälle zuständige internationale Ärztekomitee stufte dieser Tage die Heilungen als "außergewöhnlich" ein. Nach ausführlichen Prüfungen seien die Experten zu dem Schluss gekommen, dass vier Frauen und ein Mann "plötzlich und in Verbindung mit einem Lourdes-Besuch geheilt worden sind".

"Kein PR-Trick"

Dass es sich bei all dem um einen PR-Trick handeln könnte, um den Strom der Pilger nicht abreißen zu lassen, weist Pater Barzen zurück. "Es war einfach schade, dass die unerklärlichen Heilungen nicht bekannt wurden", sagt er. Die Kirche passe sich damit lediglich der heutigen Kommunikationssituation an.

Jedes Jahr besuchen rund 50.000 Schwerkranke die Grotte von Bernadette Soubirous am Rande der Pyrenäen. Die Gemeinde verbucht jährlich etwa sechs Millionen Übernachtungen. Der Sage nach hatte die Müllerstochter in der Höhle am Fluss Gave vor Lourdes im Jahr 1858 eineinhalb Dutzend Marienerscheinungen. (APA/red)