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Elke Heidenreich.

Foto: AP/Knippertz

Nach den Streitigkeiten mit dem ZDF, die mit ihrem Rauswurf endeten, sendet Elke Heidenreich ihr Bücherformat "Lesen!" nun via Internet. Heidenreich sei "es leid, ihren Fans mit späten Sendeterminen den Schlaf zu rauben", heißt es auf der Seite litcolony.de, wo man die Sendung nunmehr rund um die Uhr abrufen kann. In der ersten Ausgabe - künftig sollen es zwölf statt wie bislang nur sechs Lesestunden jährlich werden - präsentierte Heidenreich ihre Buchempfehlungen aus einem urigen Kölner Bierlokal, in dem sich die Zuseher bei Kerzenlicht an massiven Holztischen drängten.

Erster Gast des halbneuen halbstündigen Formates war Tote-Hosen-Frontman Campino, den Heidenreich als ihren Neffen vorstellte und der zu "Brautprinzessin" von William Goldman immerhin zu sagen wusste: "Das Buch ist ein großer Spaß zu lesen!" Was Tante Heidenreich glücklicherweise mit "Das Buch ist enorm witzig, albern, völlig verrückt, fantastisch, höchst unterhaltend, ein echter Fund!" ein wenig ausführlicher zu ergänzen wusste.

Bevor wir aber hier in alten ZDF-Usancen steckenbleiben und die Buchauswahl ("Der Kaiser von China" von Tilmann Rammstedt und "Der Knacks" von Roger Willemsen als Exempel "kluger" Literatur) diskutieren, muss tatsächlich festgestellt werden, dass Elke Heidenreich als autonome Buchklubleiterin ungeahnte humoristische Fähigkeiten entwickelt hat. Nachdem der "geliebte Neffe" Campino, geherzt und geküsst, am Lesepult Platz genommen hatte, gestand die Tante unverblümt: "Eigentlich hatte ich für dich etwas anderes vor. Na ja, dann bist du eben eine tote Hose geworden - aber sehr erfolgreich!" Und, ganz entspannt, noch ein ZDF-Seitenhieb: "Das Schöne ist jetzt: Vor mir kommt kein Gejodel, nach mir keine Kochshow!" Das tut in der Tat wohl! (ih/DER STANDARD; Printausgabe, 3.12.2008)