STANDARD: In welcher Hinsicht stellt das Informationssystem MetGIS eine Verbesserung herkömmlicher Prognoseverfahren dar?

Steinacker: Indem wir sehr genaue Topografiedaten mit meteorologischen Daten verknüpfen, können wir detailliertere Prognosen für sehr kleine Gebiete erstellen. Das ist besonders im Alpenraum wichtig. Wenn man die Höhenunterschiede zwischen Tälern und Bergen vernachlässigt, bekommt man unbrauchbare Prognosen, zum Beispiel über Schneehöhen. Bisher war die Auflösung dafür nicht ausreichend. Jetzt können wir auf Ausschnitte von 100 Metern hinuntergehen, an jedem Punkt der Erde. Theoretisch können wir eine Wettervorhersage für einen Vorgarten in den Bergen von Neuseeland erstellen.

STANDARD: Wie verlässlich sind diese Prognosen?

Steinacker: Die Prognoseunschärfe kann schon recht gut quantifiziert werden. Grundsätzlich gilt: je kleiner die Skala und je länger der Zeitraum, desto ungenauer wird die Vorhersage. Und je mehr zusätzliches Wissen in das System integriert wird, etwa über die Bodenbeschaffenheit, desto besser wird das Ergebnis. Mit MetGIS kann man bei einem standardmäßigen Frontdurchgang die Schneefallgrenze auf plus/minus 50 bis 100 Meter genau bestimmen. Das ist ausreichend für die Straßenmeistereien von Gebirgsstraßen.

STANDARD: Mittlerweile gibt es ja 15-Tages-Prognosen. Ab wann ist eine Wettervorschau nicht mehr seriös?

Steinacker: Die Qualität der Wochenprognosen ist heute auf einem Niveau wie vor etwa 40 Jahren die Tagesprognose. Alles, was über sieben Tage hinausreicht, hat meist schon eine so große Unsicherheit, dass man kaum Nutzen daraus gewinnen kann. Grundsätzlich kann man aber nicht "das Wetter" sagen. Es gibt Wetterereignisse wie Tiefdruckgebiete, die relativ gut vorhersehbar sind. Und es gibt sogenannte konvektive Ereignisse, wie punktuelle Sommergewitter, die schlechter vorhersehbar sind. Es ist aber auch schon sehr wertvoll, sagen zu können, was vorhersehbar ist und was nicht.

STANDARD: Werden Wetterprognosen angesichts des Klimawandels schwieriger?

Steinacker: Wenn die Sommer heißer und die Winter milder werden, hat das natürlich Auswirkungen auf die Prognosen. Gelingt bei der Analyse des Zustands der Atmosphäre eine weitere Verbesserung, so kann man trotz Klimawandels mit genaueren Prognosen rechnen.

STANDARD: Wie ernst nehmen Sie als Experte die Wettervorhersage in Radio oder Fernsehen?

Steinacker: Da sehe ich eher den Spaßfaktor. Denn man kann Prognosen reißerisch oder nüchtern verpacken. Aber die Medien bringen unsere Wissenschaft an die Leute heran. (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Printausgabe, 03.12.2008)