Beim ORF treibt die Wirtschaftskrise die Probleme auf die Spitze. Der österreichische Zeitungsverband warnt die Papierindustrie, höhere Preise könnten sie Kunden kosten. International streichen Verlage Jobs in Hundertschaften. Wie läuft es in Österreichs Presse?

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Wien/Graz - Bei der "Kleinen Zeitung", Cash Cow der Styria Medien AG, kursiert ein Protestmail: Ressortleiter seien von "gravierendem Personalabbau" informiert worden. Nach STANDARD-Infos soll ein Dutzend Journalisten früher in Pension. Einen Abbau von zwölf Mitarbeitern verneint Chefredakteur Hubert Patterer als "völlig haltlos". Er beobachtet aber "Anzeichen einer rückläufigen Entwicklung".

Eine nächste Sparetappe nahm Wolfgang Fellners "Österreich". Intern kursieren 15 Abgänge. Fellner nennt das "enorm übertrieben": "Mit Ende November wurden insgesamt sieben Verträge aufgelöst, davon zwei (!) gekündigt und fünf einvernehmlich aufgelöst - mit dem Ziel, sie neu zu gestalten. Auch der Vertrag Dieter Chmelars wird nicht aufgelöst, sondern neu gestaltet." Während Redaktionsmitglieder deren Personalstand auf 90 schätzen, erklärt Fellner: "Insgesamt arbeiten bei Österreich derzeit 348 Mitarbeiter (ohne Vertrieb, Logistik und IT)."

Optimierungen

Andreas Rudas, als WAZ-Manager noch Eigentümervertreter bei Mediaprint (Krone, Kurier), berichtet von Neustrukturierungen und Optimierungen bei dem Zeitungsriesen schon seit Antritt des neuen Managements vor einem Jahr. Akute Sparprogramme darüber hinaus gebe es nicht. Oliver Voigt, Boss der News-Gruppe, kalkuliert schon länger knapp und definiert sich nun als "gelassen".

"Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren", sagt "Presse"-Manager Reinhold Gmeinbauer. Kürzungen etwa bei Dienstreisen bestätigt er. "Kompletter Unsinn" sei, dass pro Ressort ein Mitarbeiter abgebaut werde. 2009 werde "ein anstrengendes Jahr".

Und beim STANDARD? Manager Wolfgang Bergmann: "Die österreichischen Medienunternehmen haben sich in der Hochkonjunktur zu einer Investition in einen überzogenen Verdrängungswettbewerb hinreißen lassen. Bei Wirtschaftsabschwung kommt es daher zwangsläufig zu Downsizing der gesamten Wertschöpfungskette."

Die Moser Holding (Tiroler Tageszeitung) verweist auf ihren 7,5 Millionen schweren Sozialplan bei der "Oberösterreichischen Rundschau". Mehr gebe es dort zum Thema Sparen derzeit nicht. (prie, fid/DER STANDARD; Printausgabe, 3.12.2008)