Innsbruck - Der ehemals freiheitliche, jetzt parteilose Kitzbühler Rechtsanwalt Klaus Wendling sitzt für die Minderheitseigentümer im Aufsichtsrat der Kitzbüheler Bergbahnen und wundert sich: Vor allem über die Art und Weise, wie der neue Vorstand der Kitzbüheler Bergbahnen, Josef Burger, kürzlich präsentiert wurde: "Persönlich respektiere ich den Sepp", sagt Wendling, "aber dass ich ohne Hearing vor dem Aufsichtsrat von seiner neuen Position erfahren muss, finde ich befremdlich."

Bereits vergangene Woche war die Bestellung des AUA-Managers Josef Burger zum dritten Vorstand der Kitzbüheler Bergbahnen bekannt geworden. Einen Tag, bevor er, Wendling seine Einladung zur Aufsichtsratssitzung am 1. Dezember erhalten habe, habe er in der Tiroler Tageszeitung von Burgers Bestellung gelesen. Dabei hätten ihn durchaus auch die Präsentationen anderer Kandidaten interessiert.

Die Kitzbüheler Bergbahnen stehen mittlerweile wirtschaftlich gut da, obwohl man im Winter 2006/07 wegen Schneemangels ein Minus von 430.000 Euro Minus eingefahren hat. Insgesamt konnten die Schulden von 50 auf zwei Millionen Euro reduziert werden. 105 Millionen wurden in die Skigebiete investiert. Im Dezember wird eine neue Vierer-Sesselbahn am Weltcup- Slalomhang des Hahnenkamm-Rennens, am "Ganslernhang" in Betrieb genommen.

Mit noch mehr Schneekanonen soll das "größte zusammenhängende Skigebiet Europas" entstehen: Zwischen der Wildschönau und Zell am See, bestätigt Neo-Vorstand Josef Burger. Zu neuen Liftprojekten will er noch nichts sagen, "Ankündigungen über die Medien" seien nicht "seines". Seine Bestellung zum Vorstand sei im übrigen "höchst professionell" abgelaufen.

Den Kitzbüheler Bürgermeister und neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Winkler, dem Wendling "ÖVP-Packelei", vorwirft, habe er, Burger, erst im Oktober kennengelernt. Ein "Parteisoldat" sei er nicht, er habe auch kein Parteibuch. Der Kitzbüheler Bürgermeister sei mit dem Job-Angebot im Herbst an ihn herangetreten. Winkler dazu: "Ich habe den "passenden Mann für die Aufgabe" gesucht." Und im ehemaligen Tyrolean- Chef und AUA-Marketingleiter Burger auch gefunden. Burger ist seit Dienstag im Amt.

Bei der AUA hat Josef Burger nach wie vor einen Beratervertrag, und zwar noch bis September 2009. Was er bei den Kitzbüheler Bergbahnen verdiene, werde ihm aber von seinem AUA-Gehalt abgezogen, sagt der neue Bergbahnen-Vorstand. "Doppelverdiener bin ich keiner", sagt Burger. (Verena Langegger, DER STANDARD Printausgabe, 03.12.2008)