Der Spruch der Verfassungsrichter löst alles und nichts: Mit dem Verbot der Regierungspartei hat Thailands Protestbewegung erst einmal Genugtuung erhalten für eine Wahlniederlage, die sie nie akzeptiert hat. Der Weg ist nun frei für einen ruhmvollen Abzug von den beiden Flughäfen der Hauptstadt. So kann die selbst inszenierte Wirtschaftsblockade des Landes auch enden, bevor den Regierungsgegnern die Sympathie in der Bevölkerung gänzlich wegbricht. Der kleine Schönheitsfehler: Auch die Regierung bleibt erst einmal im Amt - mit einem neuen geschäftsführenden Premierminister und einer umgetauften Partei.

Thailands Polit-Krise seit der Parlamentswahl vom Dezember 2007 hat sich mit vielen Gewaltszenen, aber bisher ohne das befürchtete Blutbad durch das Jahr geschaukelt. Das ist auch Armee und Polizei zuzuschreiben, die eine Belagerung des Parlaments und später der Flughäfen hingenommen haben. Thailands Armeegeneräle hatten es ja nie eilig, die Regierung der Vertrauten von Thaksin Shinawatra zu unterstützen, den sie 2006 von der Macht geputscht hatten. Auch ihnen verschafft das Urteil des Verfassungsgerichts eine Denkpause.

Knapp eine Woche könnte Thailands Protestmaschine stillstehen: Zum Geburtstag des Königs begräbt man die Feindschaften. Doch dann wird der Konflikt weitergehen. Ob die Regierungsmehrheit noch steht, ist unsicher; Nachwahlen könnten nötig werden, weil auch einige Abgeordnete der Koalition nun mit einem Arbeitsverbot belegt sind. Die Regierungsgegner werden auf Neuwahlen drängen, die Armee das Für und Wider eines neuen Putsches abwägen. Es braucht ein Machtwort des Königs. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2008)