Klagenfurt - "Da halte ich mich an Joseph Goebbels: Das Volk muss fühlen, wer das Sagen hat." Dieses Zitat unter Berufung auf Adolf Hitlers Propagandaminister hätte die Karriere des langjährigen roten Zentralbetriebsratsobmanns der Kärntner Landesspitäler und Landtagsabgeordneten, Gebhard Arbeiter, vor einigen Jahren beinahe gestoppt. Damals konnte sich Arbeiter nur herausreden, dass es ihm bei der NS-Anleihe ausschließlich um den Zustand seiner Partei gegangen sei und nicht um Sympathie zum Nationalsozialismus.

Auch heute noch will der mächtige Spitalsgewerkschafter die Kärntner SPÖ fühlen lassen, wer in der Partei das eigentliche Sagen hat. Arbeiter ist als graue Eminenz in der stärksten Klagenfurter SPÖ-Sektion, der viele LKH-Mitarbeiter angehören und im LKH gefürchtet. Er gilt auch immer noch als einer der "Königsmacher" in der Kärntner Sozialdemokratie, obwohl die Pensionierung des Multifunktionärs bereits absehbar näher rückt.
Arbeiter wirkte maßgeblich an der Kür und auch am Sturz von Parteichefs mit und schaffte es, sich vor allem als engagierter Belegschaftsvertreter eine kaum antastbare Machtfülle aufzubauen. Vor allem in den Landesspitälern, die lange als uneinnehmbare rote Bastion galten.

Dort hat sich jetzt der Betriebsrat unter der Führung Arbeiters im Aufsichtsrat der Kärntner Krankenanstaltenbetriebsgesellschaft (Kabeg) mit den Kärntner Orangen verbündet, um die Rückkehr des kaufmännischen Direktors Herwig Wetzlinger ins LKH Klagenfurt zu torpedieren. Dieser sollte wie auch andere Mitglieder des Direktoriums vom früheren BZÖ-nahen Kurzzeit-Kabeg-Chef Dieter Mandl entfernt werden, um BZÖ-genehmen Personen Platz zu machen.
Der Betriebsrat sah tatenlos zu, wie bis dato unbescholtene Spitalsmanager mit schweren strafrechtlichen Vorwürfen öffentlich gebrandmarkt wurden. Jetzt, wo Mandl weg ist,Wetzlinger und alle anderen von Staatsanwaltschaft und Rechnungshof rehabilitiert wurden, bleibt Arbeiter mit seinem Stellvertreter Arnold Auer, der auch Vizepräsident der Kärntner Arbeiterkammer ist, dennoch auf BZÖ-Linie, um Wetzlingers Rückkehr zu verhindern.

Damit befinden sich die roten Gewerkschafter in offenem Widerspruch zur eigenen Partei und fielen SP-Gesundheitsreferent Peter Kaiser in den Rücken, dem wohl seine Ohnmacht in den Landesspitälern vorgeführt werden sollte.

Für die Kärntner SPÖ wäre ein offen ausgetragener Machtkampf mit den LKH-Gewerkschaftern mitten im Landtagswahlkampf desaströs. Man will ihn daher gar nicht erst führen. Daher dürfte die SPÖ jetzt auch den bereits mit der ÖVP akkordierten Pakt zur Wahl des unabhängigen Steuerberaters Johann Neuner zum Aufsichtsratschef des LKH Klagenfurt wieder aufkündigen. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2008)