Der langjährige Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick soll angeblich neuer Chef des angeschlagenen Touristik- und Handelskonzern Arcandor (Thomas Cook, Karstadt, Quelle) werden. Das "Manager-Magazin" berichtete am Dienstag, Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz habe nach den großen Kursverlusten der Aktie den Glauben an den bisherigen Konzernchef Thomas Middelhoff verloren. Eick solle ihn so schnell wie möglich ersetzen.

Kein Name wurde genannt

Die Telekom hatte zuvor mitgeteilt dass ihr langjähriger Finanzvorstand das Unternehmen zum 1. März verlassen und zu einem anderen Unternehmen wechseln werde - ohne jedoch einen Namen zu nennen. Eick habe um vorzeitige Auflösung seines noch bis 2012 laufenden Mandates gebeten, erklärte die Telekom. Ein Arcandor-Sprecher erklärte auf Anfrage, es sei ein offenes Geheimnis, dass Middelhoff sein Mandat nur um begrenzte Zeit verlängert habe und danach wieder außerhalb des Konzerns unternehmerisch tätig werden wolle. Zu Personalspekulationen werde sich das Unternehmen aber nicht weiter äußern. Offiziell läuft Middelhoffs Vertrag noch bis zum Ende 2009. Der 54-jährige Eick ist das letzte noch amtierende Mitglied des Telekom-Vorstands aus Boom-Zeiten. Er kam Ende 1999 unter dem Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer zur Telekom und übernahm zu Jahresbeginn 2000 die Verantwortung für die Konzernfinanzen. Als der neue Telekom-Chef René Obermann Ende 2006 den Vorstand komplett neu besetzte, blieb Eick als einziger der alten Garde im Amt.

Lukrative Vergütung

Laut "Manager-Magazin" konnte Arcandor-Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen den Manager nun jedoch mit einer lukrativen Vergütung von der Telekom weglocken. Schaffe es Eick, das kriselnde MDax-Unternehmen zu sanieren, sollen ihm dem Magazin zufolge hohe Auszahlungen zustehen. Auf Eick wartet allerdings eine schwere Aufgabe: Laut "Manager-Magazin" verbuchte der Essener Konzern in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres, in denen bereits das Weihnachtsgeschäft 2007 enthalten war, einen Verlust von 375 Millionen Euro. Vor allem die Arcandor-Warenhaustochter Karstadt kämpft derzeit mit den roten Zahlen.

Radikaler Umbau

Arcandor hatte erst in der vergangenen Woche einen radikalen Umbau des Vorstandes eingeleitet. Neben dem langjährigen Einkaufsvorstand Helmut Merkel verlässt auch Finanzvorstand Peter Diesch den Konzern. Das Unternehmen will am 15. Dezember die Zahlen für das gesamte Geschäftsjahr veröffentlichen. Eick wird auf Wunsch der Telekom noch bis Ende Februar 2009 und damit bis zur Vorlage des Jahresabschlusses 2008 seine Aufgaben bei der Telekom wahrnehmen. Obermann bedauerte den Weggang Eicks. Der Finanzchef habe in seinen Jahren bei der Telekom viele schwierige Situationen gemeistert.

"Maßgeblicher Anteil"

So habe er "maßgeblichen Anteil an der Entschuldung des Unternehmens Anfang der 2000er Jahre" gehabt. Er wünsche Eick für seine neue Aufgabe "auch im Namen des Vorstandes alles Gute", sagte Obermann. Eick wurde 1954 in Ulm geboren und studierte in Augsburg Betriebswirtschaft. Sein beruflicher Werdegang weist den Schwaben als Finanzexperten aus: Er leitete das sogenannte Controlling, das heißt die an den Finanzdaten orientierte Unternehmensplanung und -steuerung, zuerst bei BMW, später bei WMF, dann bei der Carl Zeiss Gruppe. 1993 wechselte er zum Mischkonzern Haniel und war dort zuletzt Finanzvorstand, bevor er zum 1. Januar 2000 die gleiche Funktion bei der Telekom übernahm.(APA/AP)