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Nur nicht zu gespreizt ... das könnte Folgen haben.

Ich hatte südlich von Wien, in der Pampa, ein Auto zurückzugeben und brauchte jemanden, der mich von dort wieder in bewohnte Gebiete bringen würde, wo es öffentliche Verkehrsmittel gibt. Ich frug meine Tochter, ob sie mich führen könnte, immerhin hat sie ein Moped.

Sie wog bedächtig den Kopf. "Da wirst vorher aber die Reifen aufpumpen müssen", warf Bernie, ihr vorlauter Freund, ein. Und Alena meinte: aber eh nur den hinteren, weil mit mir hinten drauf sei sie sicher permanent im Wheelie, also nur auf dem Hinterrad unterwegs. Dann prusteten sie los.

Diese bösartigen Sticheleien trafen mich insofern auf dem falschen Fuß, als ich gerade eine Chocolat Espanol in mich hineinschaufelte. Wir saßen im "Süssi", und möglicherweise spannte das Hemd ein klein wenig. Die Kinder erfanden immer neue Szenarien, von wegen man müsse noch die Stoßdämpfer beim Moped verstärken, einen Schwertransport anmelden und so weiter.

Hatte ich schon erwähnt, dass wir im "Süssi" saßen? Viel Plüsch und Kitsch, ein Salon de Thé im Puppenhausformat, und die beiden zuckersüßen Betreiber David und Christoph sind definitiv keine Geschwister (www.suessi.at).

Bernie wischte sich vor lauter Lachen die Tränen aus den Augen. Er trank eine Süssi-Teemischung - mit Rosenknospen. Er ist Automechaniker. Ich fragte ihn, ob seine Kollegen in der Werkstatt wüssten, wo er seine Freizeit verbringt. Ich könnte ja gerne vorbeikommen und ein bisschen plauschen. Und ich hatte genau gesehen, dass er beim Teetrinken den kleinen Finger wegstreckt.

Schließlich führte mich Bernie mit seinem Auto, sehr gerne und ganz ohne Witze. (Michael Völker, AUTOMOBIL, 21.11.2008)