München  - Die schwer angeschlagene Bayerische Landesbank (BayernLB) - Mutter der Kärntner Hypo Group Alpe Adria - hat im dritten Quartal 2008 durch die Krise an den Finanzmärkten einen Verlust von einer Milliarde Euro angehäuft. Eine Prognose für das Gesamtjahr wagte die Bank am Mittwoch wegen der dramatischen Marktentwicklung im laufenden vierten Quartal nicht. Zwar sei das operative Geschäft mit den Kunden zufriedenstellend. Diese Entwicklung werde aber durch die Verwerfungen an den Finanzmärkten überdeckt, teilte die Bank in München mit.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer warb am Mittwoch bei den Landtagsabgeordneten um die Zustimmung zu einem Nachtragshaushalt, der Bayern die Aufnahme von Schulden in Höhe von 10 Mrd. Euro erlauben soll. Das Geld soll als Kapitalspritze zur Rettung der BayernLB verwendet werden. Zu der Kapitalerhöhung gebe es "überhaupt keine Alternative", sagte Seehofer. Ohne Hilfe würde die BayernLB noch vor Weihnachten zusammenbrechen. "Wir helfen hier nicht Bankmanagern, sondern es geht um die Wirtschaft in Bayern", sagte Seehofer.

Zugleich betonte der Regierungschef, dass viele Banken weltweit um ihr Überleben kämpften. "Das Bankensystem in in seinen Grundfesten schwer erschüttert", sagte er. "Wir haben es auch mit der Krise der Ökonomie zu tun."

Wertberichtigungen

Für die ersten neun Monate des Jahres 2008 weist die BayernLB vor allem durch Wertberichtigungen bei Finanzanlagen einen Verlust von 1,67 Mrd. Euro aus. Im vierten Quartal verschärfte sich die Lage weiter.

Für das Gesamtjahr hatte sich die BayernLB zunächst auf einen Verlust von 3 Milliarden Euro eingestellt, diesen Ausblick aber bereits aufgehoben.

"In der jetzigen verrückten Finanzmarktsituation ist es nicht seriös, Jahresprognosen abzugeben", hatte BayernLB-Chef Michael Kemmer am Montag gesagt. Wegen der massiven Krise hatte er eine massive Umstrukturierung mit dem Abbau von 5.600 Arbeitsplätzen angekündigt. Der Freistaat Bayern muss die Bank mit 10 Milliarden Euro stützen, um ihre Existenz zu sichern. Künftig will sich die Bank nach jahrelanger Auslandsexpansion wieder vorrangig um Kunden in Bayern kümmern. Die Sanierung trifft auch die Hypo Alpe Adria in Österreich und Südosteuropa.

Bayerns Ministerpräsident Seehofer entschuldigte sich heute nach massiven Vorwürfen auch von der Opposition am Mittwoch im Namen der gesamten Staatsregierung im Landtag für die Fehler, die vom Bank-Vorstand, vom Verwaltungsrat und bei beiden Eigentümern, Freistaat und Sparkassen, gemacht worden seien.

Option einer Fusion

Eine mögliche Fusion der BayernLB mit der Landesbank Baden-Württemberg LBBW ist anders als von dem baden-württembergischen Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) dargestellt aber nicht vom Tisch. "Wir sind bereit zu Fusionsgesprächen mit anderen Landesbanken - zuallererst mit unseren Freunden in Bayern", stellte Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) am Mittwoch klar und trat damit der Aussage von Pfister entgegen, der die Fusion in einem Interview des "Mannheimer Morgens" ausgeschlossen hatte. Oettinger betonte, bei einem Zusammenschluss mit anderen Banken müssten die jeweiligen Träger alte Lasten übernehmen.

In seiner ersten Regierungserklärung als bayerischer Ministerpräsident hat Seehofer sich im Namen der gesamten Staatsregierung entschuldigt für Fehleinschätzungen und Fehlentwicklungen bei der BayernLB. Dabei grenzte er sein Kabinett allerdings deutlich zu den vorherigen Regierungen ab.

"Ich entschuldige mich"

Seehofer zitierte aus einem Brief des früheren bayerischen Finanzministers und BayernLB-Verwaltungsratvorsitzenden Kurt Faltlhauser, in dem dieser Versäumnisse bei der Kontrolle der Geschäftspolitik der Bank einräumt. "Ich entschuldige mich", heißt es auch in dem Brief Faltlhausers an Seehofer.

"Ich nehme diese Erklärung mit Dankbarkeit und Respekt zu Kenntnis", sagte Seehofer. "Die neue Staatsregierung steht in der Verantwortung, mit diesen Dingen jetzt richtig umzugehen." Sie werde alles tun, um Mängel abzustellen.

SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget erklärte, die Krise der BayernLB zeige den "Offenbarungseid einer hilflosen Staatsregierung". Diese sei in den vergangenen Wochen von der Entwicklung überrollt worden: "Sie haben keinen Plan", warf Maget Seehofer vor. Die SPD werde dem Nachtragshaushalt nicht zustimmen, erklärte der Fraktionschef. (APA/dpa-AFX/AP)