Wien - Die Kursverluste der Immobilienaktien haben in der Constantia Privatbank (CPB) und im Immofinanzkonzern ab Herbst 2007 für größte Aufregung und Krisensitzungen sonder Zahl gesorgt. Fügt man die Darstellungen Involvierter zusammen, ergibt sich ein Bild verzweifelter Rettungsversuche. Ab 2004 waren aus den Kapitalerhöhungen vonImmoeast und Immofinanz Milliarden über die Ibag (Immofinanz Beteiligungs AG; gehörte zur CPB) an CPB-Töchter geflossen, die damit Immo-Aktien handelten.

2007 fielen die Kurse, bereits im Sommer wurde KarlPetrikovics (Chef von Bank, Immofinanz und Immoeast) von Bank-Mitarbeitern gewarnt, dass sich die bis dahin lukrativenGeschäfte für die Bank (an der Petrikovics damals mit fünf Prozent beteiligt war; der Rest gehörte Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac) "nicht mehr ausgehen", wie es heißt. Der übte sich in Zweckoptimismus ("Die Märkte erholen sich" ), auch noch, als ihn seine CPB-Vorstandskollegen im September 2007 erneut warnten.

Mitte Oktober 2007 war dann das Feuer amDach nicht mehr zu übersehen. Der Kreis der Eingeweihten (es drohten Millionen-Verluste nach Abschreibungen) erweiterte sich, schließlich galt es, die Eigentümer der Bank zu informieren.

Dasgeschah im Oktober 2007 - in einer Besprechung, an der nun auch Castelbajac und, für die Herbert Turnauer Stiftung (HTS), Guido Nikolaus Schmidt-Chiari und Prinz Michael von und zu Liechtenstein teilnahmen. Castelbajac wurde über die missliche Lage aufgeklärt - und entschloss sich zu Diskretion. Sie werde für den Verlust geradestehen, die Bank sodann verkaufen - alles "ohne mediale Begleitmusik", die Turnauers (damals) mehr als Verluste fürchteten.

"Abstrakte Diskussionen"

Auf anderer Ebene fanden so zu sagen Expertengespräche statt. Am 10. Oktober etwa trafen Petrikovics, Christian Thornton (CPB und Immoeast-Vorstand) ein Steuerexperte der KPMG sowie ein Ibag-Aufsichtsrat undRechtsexperte in der Bank zusammen. Petrikovics wollte beleuchtet wissen, ob das Verbot der Finanzierung eigener Aktien auch im Zusammenhang mit etwaigen Anleiheemissionen an Investoren gelte. Es sei um "abstrakte Fragen gegangen, nicht um eine konkrete Anleihe und nicht um die Ibag" , wie einer der Teilnehmer heute betont.

Neun Tage später wurde wieder über das Problem der Veranlagung in Immofinanz-Aktien diskutiert, diesmal waren auch CPB-, Immofinanz- und Immoeast-Aufsichtsrat Helmut Schwager dabei, Schmidt-Chiari (Aufsichtsrat der Immos) und Prinz Michael von und zu Liechtenstein. Auch da sei nicht über die konkrete Transaktion einer Anleihe gesprochen worden, wird erzählt. Die Existenz der Ibag-Anleihe wird ja, wie berichtet, sowohl von der Constantia Packaging B.V. (die eine Haftung einging; siehe unten) als auch von allen Ibag-Organen bestritten.

Ende des Jahres, es drohte einsaftiger Verlust, soll es dann noch einmal zu einem diskretenGespräch auf Eigentümerebene mit Castelbajac gekommen sein. Angesichts der drohenden Verluste und des Faktums, dass man selbige Petrikovics zuschrieb, soll auch die Möglichkeit erwogen sein, Petrikovics das Vertrauen zu entziehen und entsprechende juristische Schritte einzuleiten - allein Castelbajac blieb bei ihrer Auffassung, sie werde die Verluste ausgleichen, die Bank verkaufen.

Im Februar (es war Zeit, die Bilanz zu erstellen) wurde einTeil des Problems bewältigt. Rudolf Fries nahm der CPB-Gruppe über den Kauf von drei Gesellschaften die Immofinanz-Aktien ab. Abgesichert hat er sich mit einer Put-Option bei der niederländischen B.V. Dort hoffte man damals auf denVerkaufserlös aus den Managementverträgen.

So richtig rund ging es dann ab Sommer 2008. Mitte Juli (die "Ibag-Anleihe" war imFrühjahr geflossen; die Immoeast-Aktien landeten in CPB-Töchtern und später durch Abspaltung in der B.V.) stieß Wienerberger-Chef, Wolfgang Reithofer als Aufsichtratschef der Immoeast, auf die offene Forderung der Immoeast an die Ibag und forderte Petrikovics und Thornton (Vorstände der Immogesellschaften) zu einem Sonderbericht auf. Mitte August forderten die Wirtschaftsprüfer der Immoeast für die unsichere Ibag-Forderung eine Garantie von der B.V..

Die lag am 18.8. auf demTisch:Da beschloss der Immoeast-Aufsichtsrat die (dank Haftung) testierte Bilanz.Wieder eine Woche später forderten die Manager der B.V. von der HTS Stiftung eine Klaglosstellung, die die Stiftungsvorstände Schmidt-Chiari und Liechtenstein für die B.V.-Manager, B.V. und CPB auch ausstellten, wie es heißt.

Mitte September hüpfte der Aff‘ ins Wasser. Castelbajac wurde über die offenen Forderungen (mehr als 500 Mio. Euro) informiert - und darüber, dass (mangels Übertragung der Managementverträge) alles schlagend werden könnte. Castelbajac soll erstmals ein wenig Contenance verloren haben. (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.12.2008)