Wien - Die Liste an Finanzkrisen-Pleitiers, die in diversen ÖBB-Finanzabteilungen für Sorgenfalten sorgen, ist um einen Namen länger. Nach Lehman Brothers, den drei isländischen Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir, dem US-Versicherer American International Group (AIG) sowie den US-Banken Washington Mutual und Wachovia sorgt nun Sigma Finance für ein neues, 25 Millionen Euro großes Loch im löchrigen ÖBB-Budget.

Sigma Finance ist ein US-Investmentvehikel der Gordian Knot Ltd, die Deutscher Bank (32 Prozent), zu Sarofim & Co (acht Prozent) und dem eigenen Management (60 Prozent) gehört und war im Sommer, wie viele andere strukturierte Zweckgesellschaften auch, unter Druck geraten, weil die kurzfristige Refinanzierung klemmt und die Vermögenswerte der Zweckgesellschaften nur mit großen Abschlägen verwertbar sind.

In der österreichischen Staatsbahn, erfuhr der Standard von Kapitalvertretern im ÖBB-Aufsichtsrat, rechnet man fix mit dem Ausfall der Sigma-Papiere, man werde umgerechnet 25 Millionen Euro Verlust einstellen müssen. Dieser schlage auf den Güterverkehr Rail Cargo Austria durch und deren 49-Prozent-Beteiligung Traktion GmbH. Letztere ist auch der Grund, warum - wieder einmal - der ohnehin schwer unter Finanzdruck stehende ÖBB-Personenverkehr bluten wird müssen. Er ist Mehrheitseigentümer der für Loks und Triebfahrzeuge zuständigen Traktion, er muss diese Tochter voll konsolidieren. In Sigma-Papiere sei im Zusammenhang mit Cross-Border-Leases investiert worden, bestätigt die Bahn.

Damit steigt bei der wegen verlustreicher Wettgeschäfte mit Leasing-Raten diverser Cross-Border-Deals im Volumen von 612,9 Millionen Euro ohnehin gehörig unter Druck stehenden ÖBB-Führung auch die Nervosität. Die vorsichtigen unter den ÖBB-Managern tendieren nun dazu, die Bilanz 2008 zu einer "Bilanz des Schreckens" zu machen, in der 613 Mio. Euro und alles an Vorsorgen hineingepackt wird, was schlagend werden könnte. Ob sie sich damit durchsetzen, ist offen. Denn es gibt einflussreiche Stimmen, die ergebniswirksame Veränderungen aus Bewertungen für derivative Finanzinstrumente und Veranlagungen im Finanzerfolg nicht berücksichtigen wollen. Zumindest nur das, was laut Bilanzierungsregeln IFRS zwingend ist. Haftungen, die ÖBB als Sub-Leasenehmer für US-Partner mit heruntergestufter Bonität nehmen müssen, werden demnach nicht bewertet. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.12.2008)