"So regiert Faymann!" , röhrt Österreich. Ah, interessant, und wie? No, mit einem echt schiachen Metallschreibtisch, Stilrichtung "Frühes Finanzamt" , den er sich aus dem Infrastrukturministerium mitgebracht hat. Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner, der weltexklusiv dabei war, kann sich nicht einkriegen vor Begeisterung über diesen "Billig-Bürotisch, mit dem nun endlich das Zeitalter des Gusi-Prunks zu Ende geht. Fellner: "Die teuren Jugendstilmöbel mit roten Samtsesseln werden verkauft" .

Hier dürfte eine kleine kunsthistorische Verwechslung vorliegen, denn im Kanzlerzimmer ist noch nie ein Jugendstilmöbel gestanden (und wenn, wären sie denkmalgeschütztes Eigentum der Republik), aber Hauptsache, in der Fehde mit Gusenbauer kann noch einmal nachgetreten werden. Inhaltlich wird Faymann in einem stark an die Siebzigerjahre angelehnten Stil regieren - wenn man nach seiner Regierungserklärung geht: Arbeitsplätze, soziale Sicherheit, Solidarität, "Prinzip Sozialpartnerschaft" . Auch der Hinweis auf "Leistung und Wettbewerb" fehlte nicht. Für sich genommen in Ordnung, aber die Moderne fehlt noch. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2008)