Bild nicht mehr verfügbar.

Barack Obama mit seiner Großmutter Sarah Onyango im westkenianischen Dorf Kogelo.

Foto: AP/Sigheti

Bis zu seinem Tod war Hussein Onyango Obama nicht gut auf die Briten zu sprechen. Denn Obamas Großvater wurde in Kenia in einem Gefängnis der britischen Kolonialmacht gefoltert, berichtet die The Times. Wie tausende Afrikaner auch unterstützte Hussein Onyango Obama den Kampf für die Unabhängigkeit. Als Armeekoch lieferte er den politischen Aktivisten wichtige Informationen. 1949 wurde der 56-Jährige verhaftet und für zwei Jahre in ein Hochsicherheitsgefängnis gesperrt, wo man ihm mit Gewalt Informationen über den Widerstand entlocken wollten.

"Die weißen Soldaten befahlen den afrikanischen Aufsehern, ihn jeden Morgen und Abend zu schlagen, bis er redete", erzählt Sarah Onyango, Obamas Großmutter. Außerdem hätten britische Soldaten das Gefängnis alle zwei oder drei Tage besucht, um an den Insassen "disziplinarische Maßnahmen" zu vollstrecken. Von der Folter habe Hussein Obama Zeit seines Lebens Narben gehabt. "Er sagte, sie hätten ihm seine Hoden mit Metallstangen gequetscht. Sie stachen ihn mit spitzen Nadeln unter die Fingernägel und in das Hinterteil", berichtet die 87-Jährige weiter.

Hussein Onyango war zwei Jahre in Kamiti nahe Nairobi interniert. Das Hochsicherheitsgefängnis war fast wie ein „Todes-Camp", sagt Sarah Onyango. "Einige Gefangene starben an den Folgen der Folter. Wir durften meinen Mann nicht besuchen oder ihm Essen bringen. Mein Mann hatte Glück, dass er die Haft überlebt hat. Aber was die Haftzeit überdauert hat, das waren die Folternarben und sein tiefer Hass gegen die Briten."

Gegner des britischen Kolonialismus

Auch Onyangos Enkel erzählt über die Gefangenschaft seines Großvaters. Allerdings heißt es in Barack Obamas Biographie Dreams from My Father, sein Großvater sei für unschuldig befunden und nur für einige Monate gefangen gehalten worden. Deutlich wird in dem Buch auch, dass der künftige Präsident der USA ebenso wie sein Großvater kein Anhänger des britischen Kolonialismus ist. Grund genug für einige britische Medien, den Schluss ziehen, die Familiengeschichte werde sich auch auf die Außenpolitik des Demokraten auswirken.

"Obama ist entschlossen, Guantanamo zu schließen und den Abzug der Truppen aus dem Irak zu beschleunigen. Warten wir ab, ob die Erfahrungen seines Großvaters sich auch auf seine Politik in Afghanistan und gegen den internationalen Terrorismus auswirken", heißt es zum Beispiel im Guardian. Und The Times mutmaßt, dass der Kolonialismus die Verachtung Obamas gegen den britischen Imperialismus noch verstärken könnte. "Beinahe jede Bemerkung über Großbritannien oder die Briten ist negativ.

Ein Foto von Obamas Großvater gibt es nicht, aber sein kipande, sein Pass, den er wie alle anderen Afrikaner immer bei sich haben musste, zeugt von der tätglichen Demütigung der Afrikaner durch die Weißen vor der Unabhängigkeit Kenias. Barack Obama zitiert daraus in seinem Buch: "Hautfarbe: dunkel; Nase: flach; Mund: groß; Haar: gekraust; Zähne: sechs Fehlende...." (hag/derStandard.at, 5. 12. 2008)