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Wolfgang Vilsmeier, seit Juli Chairman des Boards macht die frühere, von der Meinl Bank besetzte Managementgesellschaft für die Wertvernichtung verantwortlich.

Foto: APA/EPA/Fohringer

Wien - Die AI International Airports (früher Meinl International Airports/MAI) hat am Donnerstag überraschend hohe Abschreibungen nach den ersten drei Quartalen bekannt gegeben und außerdem eine Berichtigung des Jahresabschlusses 2007 angekündigt. In den ersten neun Monaten musste die Gesellschaft, deren Board im Juli ausgewechselt worden war, 127 Mio. Euro wertberichtigen, was zu einem Verlust vor Steuern (EGT) von 129,96 Mio. Euro bei einem Umsatz von lediglich 6,7 Mio. Euro führte, wie das Unternehmen in den Nachmittagstunden bekannt gab.

Besonders stark schlugen Abschreibungen auf den türkischen Airport TAV zu Buche. Neben diesen Wertminderungen wurden aber auch Abschreibungen bei den "Assets" in Ulan Ude, Bydgoscz und Parma vorgenommen. Bis Jahresende werden "weitere signifikante Wertberichtigungskosten" angekündigt.

Da die AI "im aktuellen Marktumfeld keine attraktiven Investment-Möglichkeiten sieht, welche den Investitionskriterien des neuen Board entsprechen, sind derzeit keine Neuinvestitionen geplant", wird erklärt. Der Net Asset Value (NAV) pro Zertifikat wird mit aktuell 6,63 Euro angegeben. Zuletzt notierten die Zertifikate mit 5,25 Euro.

Heftige Kritik gegen altes Management

Wolfgang Vilsmeier, seit vergangenem Juli Chairman des Boards der früheren Meinl Airports International, macht die frühere, von der Meinl Bank besetzte Managementgesellschaft voll für die Wertvernichtung seit dem Start des Fonds vor eineinhalb Jahren verantwortlich - bis heute immerhin 187,7 Millionen Euro, Tendenz steigend. Die Entscheidung, ein Drittel des von den Anlegern zur Verfügung gestellten Kapitals in die türkische TAV zu investieren, sei riskant, unausgewogen und ein "klassisches Klumpenrisiko" gewesen, sagte Vilsmeier am Donnerstag. Die Meinl Bank wies dies zurück.

Kurs erodiert

Der Kurs des ebenfalls börsenotierten Flughafens sei heute "dermaßen stark erodiert, dass das nicht mehr aufholbar erscheint." Der Betreiber u.a. des türkischen Hauptflughafens Atatürk sei in den vergangenen Monaten weiter verfallen und werde wahrscheinlich bis Jahresende weitere Wertberichtigungen verursachen, sagte Vilsmeier. Vom ursprünglichen Kaufpreis von 185 Mio. Euro für die 10 Prozent an TAV sind Ende September 2008 jedenfalls nur mehr 86 Mio. Euro übriggeblieben. Dazu wurden im vergangenen Quartal Optionen auf einen Kauf von weiteren TAV-Anteilen im Wert von zuletzt knapp 9 Mio. Euro fast zur Gänze abgeschrieben.

Operativ stünden vor allem die Airports Parma und Bydgoszcz gut da und benötigten keine Investitionen, sagte Vilsmeier. In Ulan Ude könnten Beträge maximal in sechsstelliger Höhe fällig werden. Die weitere Ausrichtung des Unternehmens wird mit Hilfe u.a. der Lufthansa Consulting bis Jahresende erarbeitet.

Das neue Management hat Erfolgsrechnung und Bilanz 2007 noch einmal aufmachen und berichtigen lassen - mit der Folge, dass bereits für 2007 nun Wertberichtigungen von mehr als 60 Mio. Euro ausgewiesen wurden. Ohne diese Maßnahme hätten sich die heute vermeldeten Verluste jedenfalls noch dramatischer angehört. "Ernst & Young Jersey wird sich einige unangenehme Fragen gefallen lassen müssen", kündigte Vilsmeier an. Das Agieren des alten - als der Meinl-Gruppe nahestehend geltenden - Boards soll Konsequenzen haben. Noch vor Weihnachten soll es Klagen gegen die alte Unternehmensführung geben.

Meinl Bank kritisiert neues Board

Die Meinl Bank machte dagegen ihrerseits das neue Board für die Abschreibungen verantwortlich: "Die Beteiligung an der türkischen TAV hätte man längst abstoßen können, spätestens im September, als die Dramatik der globalen Finanzkrise absehbar war", erklärt Vorstand Peter Weinzierl in einer Aussendung.

"Stattdessen war das Board komplett untätig", auch das Projekt in Ulan Ude drohe "durch die Versäumnisse des neuen Boards drastisch an Wert zu verlieren." Das neuen Board wolle dem früheren Management die Verluste "in die Schuhe schieben", sei in Wahrheit für diese aber "einzig und allein" verantwortlich, behauptet Weinzierl.(APA)