"Ah do schau her, a Neuer ...", feixen die Kollegen, die mich seit Jahrzehnten kennen, als sie mich dieser Tage wieder einmal im Flughafen-Café sehen, wo sich regelmäßig die heimische Motorjournaille trifft, um sich an den einen oder anderen gottverlassenen, aber noch sonnenbeschienen Winkel Europas aufzumachen, um dort neue Automodelle testzufahren.

"Wer bist denn du, und was machst du da?", fragen die Lustigen. Ich darauf: "Ich hab derzeit wenig Zeit und auch kaum Lust zum Dienstreisen mit euch Spaßmachern, weil ich jetzt der Papa von dem da bin ..." Ich zücke das Trendhandy - ja, genau jenes, von dem Sie jetzt vermuten, dass es wir im Standard als Diensthandys bekommen haben, das wir einfach so bestellt haben, obwohl sich bis auf die NetBusiness-Redaktion kaum jemand damit auskennt. Jedenfalls tippe ich über den (Herrgottna, schon wieder verschmierten!) Bildschirm und zeige ein Digitalfoto vom Wurm, wie er gerade in die Stiegenkante vor dem Kachelofen seiner Oma beißt. "Aah", "Siaß!", "So, so, des is oiso da Wuam!", akklamiert die Kollegenschaft.

Ein Kollege - einer der vielgestürzten Motorradwahnsinnigen unter den Benzinschreibern, der im Brotberuf eigentlich Telekom-Beamter ist - zückt danach auch eines seiner sieben Diensthandys (kein Einziges davon trendy) und sagt: "Schauts, ich hab auch ein Kinderfoto!" Man sieht auf dem Bildschirm: Einen 1,90-Typen auf einer Triumph Daytona, aufs Allerwildeste auf dem Hinterrad daherkommend. "Mein Großer", erklärt der Bike-Haudegen, "24 Jahre alt, fährt seit 20 Jahren Motorrad." Ich: "No servas, gratuliere ..."

Wieder zu Hause, erzähle ich meiner Frau davon. Sie schaut entsetzt und bestimmt: "Unser Wurm wird sicher nicht mit vier Jahren Motorrad fahren." Ich: "Aber was, wenn er will?" Sie: "Er darf nicht. Und aus."

Der Wurm dürfte sich derzeit eigentlich auch nicht an Billy-Regalen zu Klimmzügen hochziehen. Und? Er tut's trotzdem. Davon habe ich übrigens kein Foto auf dem Trendhandy, weil mich fast der Herzkasper ereilt hätte. Ich wäre eigentlich auch gegen Motocrossen mit vier. Zu aufregend. Für mich. (szem/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.12.2008)